Review: Kingsman – The Secret Service

Wenn am 12. März Kingsman – The Secret Service ins Kino kommt, beantwortet er gleich zwei Fragen: erstens, wie ein Bond Film wohl aussehen würde, dürfte Matthew Vaughn (Kick-Ass) hinter die Kamera und zweitens: wie würde sich Colin Firth als Geheimagent ihrer Majestät machen. Letztere ist natürlich redundant, schließlich macht sich Firth immer gut im Anzug. Weil die FSK für diesen ultra-brutalen Film 16 lautet, müssen sich jüngere aber in Sachen erster Frage entweder damit trösten, dass Weisheit nunmal mit dem Alter kommt oder einfach weiterlesen.

Kingsman_KSS_JB_D27_02698_A4Mit Schirm und Charme aber ohne Melone

Harry Hart (Colin Firth) ist ein Kingsman. Hinter der gleichnamigen exklusiven Herrenschneiderei in der Saville Row, London, verbirgt sich ein ultrageheimer, unabhängiger Geheimdienst, dessen Agenten im maßgeschneiderten Anzug Bösewichte vom Kaliber Blofelds an der Ausführung ihrer üblen Pläne hindern und das natürlich mit allerlei technischem Schnickschnack à la Q. Der hochintelligente Eggsy (Taron Egerton) wächst seit seinem fünften Lebensjahr ohne Vater in einem von Sozialwohnungen und Arbeitslosigkeit geprägten Stadtteil Londons auf. Sein Vater war ein Kingsman und Harry macht sich wegen seinem Tod Vorwürfe. Als Eggsy siebzehn Jahre später mal wieder in Schwierigkeiten steckt, nimmt sich Harry seiner an und meldet ihn zur exklusiven Aufnahmeprüfung des Geheimdienstes an. Während auf Eggsy ein brutales Auswahlverfahren wartet, bereitet Superschurke und Hightechgenie Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) alles für die Durchführung seines Masterplans vor. Und auch wenn der oberste Kingsman (Michael Caine) wenig von Eggsy hält, kann Harry allein Valentine nicht aufhalten.

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Kingsman, das gleich vorweg, ist mehr eine Hommage an Spionagethriller, als eine ernsthafte Bewerbung seitens Vaughn in Richtung Bond. Es gibt zwar den wahnsinnigen Bösewicht mit Weltherrschaftsambitionen, dessen bedingungslos loyalen und brutalen Bodyguard – hier in Form einer Frau, die mit messerscharfen Unterschenkelprothesen Probleme löst so wie einst Goldfingers Oddjobb mit seinem Hut – und technische Spielereien, aber Harry selbst ist eine Mischung aus verschiedenen Spionen. Natürlich James Bond, aber mit dem Schirm von John Steed und der Brille von Harry Palmer. Außerdem ist Kingsman witzig. Wenn hier so manches Mal die Musik einsetzt, dann kann man angesichts der Bilder auf der Leinwand dazu gar nicht anders, als laut loszulachen. Das wäre bei Bond unvorstellbar. Außerdem ist Kingsman so überhöht brutal für einen anvisierten Mainstream Film, dass es schon fast Cartoon Charakter hat. Man darf nicht vergessen, dass Vaughn auch Kick-Ass gedreht hat. Der übrigens erste Wahl sein sollte, falls Tom & Jerry mal als Live Action Film gedreht werden sollte.

Kingsman_KSS_JB_D24_02466_A4Das Problem was Kingsman mit vielen Filmen zur Zeit gemein hat, ist, dass er mit 129 Minuten Laufzeit einfach zu lang ist. Zum Beispiel ist der Handlungsstrang mit Eggsys Ausbildung streckenweise schlichtweg überflüssig, da komplett vorhersehbar. Immerhin ist Egerton nicht frei von Charme. Den besitzt Firth ohnehin und er hat sichtlich Spaß an seiner Rolle, ganz besonders in einer Kampfszene, in der er mal so richtig die Sau rauslassen durfte. Die Damen, die ihn immer noch als Mr. Darcy anschmachten, sollten den Film allerdings entweder meiden oder bei der Szene in der Kirche die Augen ganz fest zumachen. Abgesehen von der Länge und den vorhersehbaren Entwicklungen, sind auch die Effekte in diesem Film alles andere als gut. Überhaupt wirkt der Film gelegentlich ein bisschen low-budget und und wenn man mal von dem Plan von Valentine absieht, dann bietet auch die Geschichte nichts neues. Dafür ist das Tempo meist recht flott und es sind auch eine Menge flotte Sprüche drin.

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Fazit

Matthew Vaughn feiert überhöhte Gewalt und liefert selbst das beste Argument, warum er keinen Bond drehen sollte: Kingsman ist witzig, krass brutal und eine unterhaltsame Hommage voller liebevoller Details an die alten Agentenfilme, aber er lässt die nötige lässige Eleganz missen. Colin Firth spielt mit Hingabe den Superagenten, Samuel L. Jackson ist herrlich schräg als lispelnder Bösewicht und Taron Egerton macht was her als Nachwuchsagent. Die Gadgets sind cool, die Spezialeffekte dagegen weniger. Insgesamt aber einfach zu brutal für ein breites Publikum.

7
Krass brutal

Pros

  • Witzig & unterhaltsam
  • Gute Schauspieler
  • Voller liebevoller Details

Kontras

  • Schwache Effekte
  • Krass brutal
  • Vorhersehbar

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
7