Review: Manolo und das Buch des Lebens

Am 12. Februar kommt mit Manolo und das Buch des Lebens der vielleicht farbenfrohste Animationsfilm seit langem ins Kino. Ein Kinderfilm produziert von niemand geringerem als Guillermo del Toro (Pans Labyrinth, Hellboy, Pacific Rim), da geht die Erwartungshaltung automatisch hoch, zumal er auch noch teilweise im Reich der Toten spielt! Wer meint, das sei nix für Kinder, der irrt, denn es sind nicht die Toten, die in diesem Film gruselig (schlecht) sind.

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Oh Manolo! Möp!

Manolo, Joaquin und Maria sind schon als Kinder die besten Freunde. Manolo liebt Musik, soll aber wie sein Vater und Großvater ein berühmter Stierkämpfer werden und auch Joaquin soll in die Fußstapfen seines verstorbener Vaters, einem großen Helden, treten. Und Maria? Maria soll eine wohlerzogene junge Dame werden und weil sie alles andere als brav in ihrem Dorf San Angel in Mexiko durch die Gegend fegt, wird sie nach Europa geschickt. Manolo und Joaquin, die beide in sie verliebt sind, versprechen auf sie zu warten. La Muerte und Xibalba, die Herrscher über die beiden Totenreiche der Erinnerten und der Vergessenen, schließen eine Wette darüber ab, wer Marias Herz gewinnen wird. La Muerte setzt auf Manolo, doch Xibalba kann nicht anders als falsch zu spielen und so findet sich Manolo früher als geplant im Reich der Toten wieder. Doch so leicht gibt er Maria nicht auf.

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Der Film beginnt am Tag der Toten, dem Feiertag in Mexiko an dem man der verstorbenen Verwandten und Freunde gedenkt, denn so lange man sich der Verstorbenen erinnert, so lange weilen ihre Seelen im Reich der Erinnerten, einem wunderbaren, bunten, fröhlichen Ort über den die Göttin La Muerte wacht. Erinnert sich aber niemand mehr an einen, dann muss man in das triste Reich der Vergessenen, über das Xibalba wacht. Regisseur Jorge R. Gutierrez, der am Tag der Toten geheiratet hat, damit sein bester, aber verstorbener Freund sein Trauzeuge sein konnte, liegt die Erinnerung der Toten sehr am Herzen. Aber auch seine Liebe zu mexikanischer und lateinamerikanischer Volkskunst kann man in Manolo und das Buch des Lebens sehen. Die Figuren aus Holz, die Bilder aus dem Computer, die üppigen Farben und die Liebe zum Detail – es ist eine einzigartige Mischung und man weiß oft nicht, wo man hinsehen soll, so viel gibt es zu sehen. Dagegen nimmt sich die Geschichte etwas einfach aus, allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass der Film auch für Kinder gemacht wurde und insofern geht das schon in Ordnung. Erwachsene werden vermutlich an La Muertes und Xibalbas neckischen Zänkereien Freude haben und Marias Schwein, das gelegentlich seine Meinung mit einem empörten Möp zum Ausdruck bringt, ist der Brüller. Die 3D Technik wird hier übrigens sehr effektiv eingesetzt.

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Doch was nützt die Liebe zum Detail, all die harte Arbeit, die in die Animation gesteckt wurde, wenn die deutsche Synchronisation einen die Existenzberechtigung des Tonfilms in Frage stellen lässt? Man kann es den Synchronsprechern nicht zum Vorwurf machen, dass sie den Job angenommen haben, aber wer ihnen diesen angeboten hat, der sollte seinen Job vielleicht mit dem Pförtner wechseln. Der hätte es sicherlich nicht schlechter machen können. Denn auch wenn sie es mit Enthusiasmus machen, weder Giovanni Zarella noch seine iranische Kollegin klingen wie Kinder Mexikos. Über die zahlreichen Gesangsnummern sagt man erst besser gar nichts, außer das wie durch ein Wunder beim letzten gemeinsamen Lied alle von ihren Pseudoakzenten befreit aufsingen.

Fazit

Manolo und das Buch des Lebens  hätte ein Fest für die Sinne sein können, aber die deutschen Synchronstimmen versauen es total. Kleine Kinder (FSK: ab 6 Jahre) werden darüber hinwegsehen können, Erwachsene sollten besser auf die DVD warten und ihn dann entweder ohne Ton oder im O-Ton sehen. Schade, denn so liebevoll und farbenfroh wurde bisher selten der Verstorbenen gedacht.

4.7
Bunt

Pros

  • Farbspektakel
  • Fantasievoll
  • Gutes 3D

Kontras

  • Brutal schlechte Synchro
  • Qualvoll schlechte Gesangnummern

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
8
Synchronisation
0