Review: Into the Woods

An Stephen Sondheims vielfach preisgekröntem Broadway Hit Into the Woods verzweifelten fast 30 Jahre lang Hollywoods Drehbuchautoren. Wie sollte man nur aus dieser schrägen, düsteren Geschichte, in der sich diverse Figuren aus Grimms Märchen über den Weg laufen und dabei auch noch singen, einen Kinofilm machen? Aber Märchen, die sich eher lose an das Original halten, sind spätestens seit dem Fernseherfolg Once Upon a Time angesagt, und so nahm sich Märchenspezialist Disney dem Musical an. Wir durften Into the Woods vorab sehen und herausfinden ob Disney nach Frozen und Baymax wieder ein goldenes Händchen bewiesen hat.

INTO THE WOODS

“Ich wurde dazu erzogen charmant zu sein, nicht ehrlich.”

Es war einmal vor langer Zeit, da wünschten sich ein Bäcker und seine Frau nichts sehnlicher, als ein Baby.  Aber die böse Hexe von nebenan hatte sie zur Kinderlosigkeit verflucht, weil sein Vater einst Zauberbohnen aus ihrem Garten gestohlen hatte. Doch der Bäcker hatte ein gutes Herz und die böse Hexe versprach den Fluch von ihnen zu nehmen, wenn sie ihr vier Dinge bringen würden. Aber um diese zu bekommen, dafür müssten sie in den Wald. Und so machten sich der Bäcker und seine Frau auf in den Wald, wo sie Aschenputtel, Rotkäppchen, Rapunzel und vielen anderen Märchenfiguren begegnen.

Die Bühnenversion von Into the Woods wurde zwar fürs Kino um einiges gekürzt, aber es ist so vollgepackt  mit Handlung und Charakteren, so üppig in Sachen Kostümen, Orten und Farben und so voller düsterem Humor, dass man im ersten Moment gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Meryl Streep ist in so einem Fall immer eine gute Lösung. Sie gibt hier mit großem Gusto die blaue Hexe, deren Schicksal nicht untragisch ist. Blau steht ihr übrigens unverschämt gut. Anna Kendrick als etwas unentschlossenes Aschenputtel überzeugt ebenso wie Christine Baranski als ihre böse Stiefmutter oder Emily Blunt als des Bäckers Gattin.

INTO THE WOODS

Apropos Bäcker, James Corden mag ein Pummelchen sein, aber er ist hier so charmant-liebenswert, dass man für ihn glatt einen Prinzen stehen lassen würde – und das nicht nur weil Cinderellas und Rapunzels Prinzen (Chris Pine und Billy Magnussen) zwei selbstverliebte Hohlköpfe mit künstlicher Bräune sind. Allerdings auf eine grandiose Art und Weise, denn wenn sich die beiden singend vor einem Wasserfall die Hemden aufreißen, dann ist dass das Comedy Highlight des Films! An Johnny Depp durften sich mal wieder die Make-Up Künstler austoben und ihn in einen Wolf verwandeln, allerdings ist seine Rolle in dem 124 Minuten langen Film sehr kurz. Lila Crawford als Rotkäppchen ist ein Broadway Profi und sie verkörpert gerade mit ihrem Gesang den Broadwaycharakter des Stücks perfekt.

INTO THE WOODS

In Into the Woods wird gesungen. Sehr viel. Aber zum einen hat man sich lobenswerterweise dazu entschlossen die Gesangsnummern zu untertiteln anstatt zu synchronisieren, zum anderen wechseln sich Gesang und gesprochene Text geschickt ab, so dass man nicht (ganz so schnell) dessen überdrüssig wird, auch wenn man kein ausgesprochener Musicalfan ist. Die Melodien sind zumeist sehr eingängig, die Texte mitunter von schwärzestem Humor und man sollte sich darauf einrichten, noch tagelang den Refrain, und nur den Refrain, “into the woods, into the woods” im Kopf zu haben. Aber es sind nicht nur die Liedtexte, die den Film eher ein Vergnügen für Erwachsene statt Kinder machen. Mit einigen Handlungssträngen werden Kinder nicht wirklich viel anfangen können, wobei manche Eltern es sicherlich als pädagogisch wertvoll betrachten werden, dass man besser nicht auf den charmanten Prinzen warten sollte, wenn man seine Lebensumstände verbessern will. Auch hat der Film einige der brutaleren Stellen aus den Grimmschen Märchen übernommen. Wenn die böse Stiefmutter ihrer eigenen Tochter die Ferse abhackt, damit sie in den Schuh passt, dann kann man Disney wirklich nicht vorwerfen das Broadwaystück disneyfiziert zu haben. Der Einfluß des Mausstudios ist allerdings unverkennbar in den prächtigen Kostümen und der atemberaubenden Ausstattung. Gekonnt ist halt gekonnt.

INTO THE WOODS

Fazit

Into the Woods ist ein schräger, unterhaltsamer Film. Es ist ein Musical mit bitterbösem Humor, überzeichneten Figuren und solchen, die mit ihren traditionellen Rollen hadern. Brutal aber witzig. Boshaft aber mit Herz. Mit tollen Kostümen, toller Ausstattung, sehr guten Special Effects, einer wunderbaren Meryl Streep und einem charmant-liebenswerten Helden in James Corden. Wem Once Upon a Time zu harmlos ist und nicht immer nur das konventionelle sucht, der wird hier bei Grimms Märchen 2.0 sicherlich fündig.

Ab 19. Februar 2015 im Kino. Altersfreigabe steht noch aus.

8
Unterhaltsam

Pros

  • Optische prachtvoll
  • Unterhaltsam
  • Tolle Schauspieler

Kontras

  • Bisschen viel Gesang
  • Zu brutal & erwachsen für jüngere Kinder
  • Etwas zu lang

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8