Review: Mortdecai – Der Teilzeitgauner

Ab 22. Januar kann man Johnny Depp als Lord Charles Mortdecai, Kunstkenner und -händler mit ebenso atemberaubenden Schulden wie Gattin und Schnurrbart, im Kino dabei zusehen, wie er einem als verschollen geglaubten Goya hinterherjagt – den natürlich auch andere wollen. Ob es sich lohnt, wie des Lords treuer Diener Jock Strapp (Paul Bettany) ihm bei seinen Eskapaden zu folgen, nun wir durften Mortdecai – Der Teilzeitgauner schon vorab sehen und die Antwort ist ein amüsiertes Jaein.

MORTDECAILord Charlie Mortdecai ist ein charmanter Lebemann mit luxuriöser Gattin (Gwyneth Paltrow), einem imposanten Landsitz und acht Millionen Pfund Steuerschulden. Letztere wollen innerhalb einer Woche beglichen sein, oder Anwesen und vermutlich auch Gattin gehören der Vergangenheit an. Bei letzterer ist er ausgerechnet jetzt auch noch in Ungnade gefallen, weil er, wie es sich für einen Mortdecai gehört, seine Oberlippe mit einem markanten Schnurrbart dekoriert hat. Inspektor Alistair Martland (Ewan McGregor) wittert seine große Chance endlich bei Lady Mortdecai zu landen, benötigt aber zuvor noch Mortdecais Hilfe bei der Suche nach einem verschwundenen Gemälde von Goya. Die Lage wird nicht einfacher, wenn auch in Sachen Steuerschuld hoffnungsvoller, als es sich herausstellt, dass es sich um ein als verschollen geglaubtes Gemälde handelt, auf dessen Rückseite sich der Schlüssel zu einem geheimen Nazi Goldschatz befindet. Es folgen u.a. Eskapaden und Verfolgungsjagden zwischen London, Moskau und Los Angeles, falsche Fährten, Begegnungen mit einer nymphomanische Milliardärstochter (Olivia Munn), einem Revolutionär, einem Dobermann und einem russischen Oligarchen.

MORTDECAILord Charlie Mortdecai ist der Antiheld der Romane von Kyril Bonfiglioli, denen dank ihrer Art (eine Mischung zwischen P.G. Wodehouse und Raymond Chandler) ein Kultcharakter nicht abzusprechen ist. Der Vergleich zu Wodehouses Geschichten über den liebenswerten, wenn auch nicht übermäßig intelligenten Adligen Bertram Wooster und dessen Butler Jeeves, liegt nahe. Während diese jedoch eher in einem elegant-gepflegten Ton mit Hugh Laurie und Steven Fry für das Fernsehen verfilmt wurden, beschlossen die Filmemacher von Mortdecai eher noch einen Gang zuzulegen. Hier ist alles konsequent überzogen und realitätsfremd, ein bisschen so wie Johnny Depps over-acting, was hier aber wunderbar passt. Erblondet und mit Schnurrbart verziert gibt Depp wieder einmal den liebenswerten Exzentriker. An die Wand wird er allerdings von Paul Bettany gespielt, der stoisch und treu seinem Herrn stets zur Seite steht und trotz diverser (von Mortdecai verursachten) Unfälle immer noch Zeit für zahlreiche amouröse Abenteuer findet. Aber nicht nur Depp zelebriert das over-acting, besonders Olivia Munn, Jeff Goldblum (großartig als Milliardär Milton Krampf) und Jonny Pasvolsky (als Revolutionär Emil Strago) macht es sichtbar Spaß. Natürlich haut das nicht immer hin, so mancher Witz ist flach, aber ein gewisses Niveau wird über die 107 Minuten Laufzeit stets gehalten, in dieser Hinsicht hat man sich von der Romanvorlage nicht entfernt.

MORTDECAIFazit

Mortdecai – Der Teilzeitgauner ist eine amüsante, harmlose und höchst alberne Komödie mit schönen Menschen und Orten, die eher einen altmodischen Humor bedient. Nicht genial, aber unterhaltsam. Die Geschichte ist überzogen und auch die Schauspieler übertreiben es gewaltig, was allerdings im Gesamtbild funktioniert. Der nostalgische Charme wird sicherlich die ansprechen, die mit modernen Komödien wenig anfangen können, aber trotzdem nicht zu snobistisch in Sachen Humor sind. Freigegeben ist er ab 6 Jahren.

 

6
Amüsant-albern

Pros

  • Amüsant übertrieben
  • Gute Besetzung
  • Nostalgischer Charme

Kontras

  • Teilweise recht flach
  • Unnötige Kotzszene

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
7