Review: Foxcatcher

Am 5. Februar kommt mit Foxcatcher der neue Film von Bennett Miller (Moneyball, Capote) in die Kinos und die drei Hauptdarsteller Steve Carell, Channing Tatum und Mark Ruffalo wurden von der englischsprachigen Presse bereits als Kandidaten für die diversen Filmpreise gehandelt. Der Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, blieb jedoch auch von Kontroversen nicht verschont, so bezeichnete der echte Mark Schultz wutentbrannt Regisseur Miller in sozialen Netzwerken als Lügner,  obwohl er den Film ursprünglich unterstützt hatte. Skandal und Kritikerlob, bei der Kombination muss man doch ins Kino, sogar, wenn es ein Film über Ringer ist – oder?

FOXCATCHER

Ein Angebot, das sie hätten ablehnen sollen.

Ringen ist eine der ältesten Sportarten, hierzulande hält sich ihre Popularität allerdings ins Grenzen. Anders in den USA, wo es an den meisten Highschools unterrichtet wird. Man muss sich von daher nicht schämen, wenn man die tragische Geschichte der Brüder Schultz nicht kennt. Mark (Tatum) und Dave (Ruffalo) sind Olympiasieger im Ringen, aber von einer Medaille allein wird niemand satt. Mark scheint zumal seinen Zenith bereits überschritten zu haben und der ältere der beiden, Dave, der als Trainer arbeitet, muss eine Familie ernähren. Als der exzentrische Multimillionär John du Pont (Carell) ihnen das Angebot macht, gutbezahlt und unter optimalen Trainingsbedingungen für sein Ringerteam Foxcatcher für die nächste Olympiade zu trainieren, nimmt zuerst nur Mark an. Als Dave schließlich mit seiner Familie nachfolgt, entwickelt sich eine fatale Dynamik als du Pont, ohnehin schon paranoid und voller Komplexe, zusehen muss, wie Dave mit seiner natürlichen Autorität und seinem Können die Führung des Foxcatcher Teams übernimmt.

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Was Foxcatcher auszeichnet sind die schauspielerischen Leistungen von Carell, Tatum und Ruffalo in den für sie ungewöhnlichen Rollen. Tatum und Ruffalo müssen hier ohne ihren typischen Einsatz von Charme und Lächeln spielen und Carell ist gar nicht witzig. Gerade bei Carell ist die Verwandlung in du Pont so drastisch, dass man ihn erst gar nicht erkennt und das liegt nicht nur an der sensationellen Leistung der Make-Up Künstler, sondern an seiner Körpersprache, Aussprache und dem Blick, der  ohne große mimische Verrenkungen so beunruhigend wirkt. Er schafft es, obwohl dem Zuschauer als Komödiant bekannt, für Unbehagen bei seinem Anblick zu sorgen. Egal wie lächerlich es ist, was er sagt, sein Blick lässt einem das Lachen im Hals stecken bleiben. Auch Channing Tatum zeigt, dass er mehr als nur seinen Körper zur Schau stellen kann. Mark Schultz ist ein Mann, der außer seinem Sport nicht viel hat – im materiellen wie intellektuellem Sinn – und Tatum schafft es die innere Zerrissenheit und die Minderwertigkeitskomplexe zu vermitteln. Mark und Dave kommunizieren über ihren Sport, es ist ihre Form miteinander zu reden. Auch Ruffalo ist hier kein strahlender Olympionike, sondern ein Mann, dessen Jahre als Aktiver zu Ende sind und der jetzt Verantwortung für eine Familie hat und für den, im Gegensatz zu Mark, der Sport nicht mehr den Lebensinhalt stellt.

FOXCATCHER

Foxcatcher ist 134 Minuten lang und damit eindeutig zu lang, zu langsam baut sich die Spannung auf. Wer die wahren Ereignisse kennt, fragt sich nach einer gewissen Zeit, wann es denn zum dramatischen Höhepunkt kommt – in der Hoffnung, dass der Film dann entweder vorbei ist oder interessanter wird. Einer der Gründe dafür ist die Filmmusik von Rob Simonsen (Die Kunst zu gewinnen – Moneyball; Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger), die vom ersten Moment an keinen Zweifel offen lässt, dass das alles nicht gut enden kann. Auch Millers Bildsprache legt dies nahe, aber während diese all das transportiert, was die Charaktere eben nicht aussprechen, zieht einen Simonsens Musik nur runter. Apropos Miller, seine wohlgewählten Bilder geben der Geschichte einen weitaus komplexeren Charakter als bloß ein individuelles Sportlerdrama. Wer gerne subtilere Bildsprache interpretiert, der wird nach Ende des Films genug Stoff für Konversation finden, der Preis dafür ist allerdings, dass dieser Film erstaunlich zäh wirkt. Das Miller der Dramaturgie zuliebe einige Leistungen der Athleten ausgelassen und laut Schultz an der Zeitlinie sowie der Beziehung zwischen ihm und Du Pont unsauber rumgewerkelt hat, ist natürlich bei einer wahren Geschichte nicht gerade lobenswert, aber es hätte wohl kaum einen Unterschied gemacht.

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Fazit:

Foxcatcher ist keiner dieser Sportfilme, bei denen man mitleidet, mitfiebert und mitjubelt. Die wahre Geschichte ist tragisch und deprimierend, und der Film lässt einen die ganze Laufzeit unbehaglich fühlen, außerdem ist er auch zu lang, zu zäh und hätte sehr von einem Rotstift profitiert. Der Grund warum Foxcatcher trotzdem bei allen Preisverleihungen auftauchen wird, sind die starken schauspielerische Leistungen des Trios Carell, Tatum und Ruffalo. Diese sind in der Tat sehenswert.

7
Deprimierend

Pros

  • Starke Performances
  • Trifft die unterschwelligen Töne
  • Gute Bilder

Kontras

  • Zu lang & zäh
  • Musik nimmt Spannung raus

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
7