Review: Die Entdeckung der Unendlichkeit

Am 25. Dezember läuft das Stephen Hawking Biopic The Entdeckung der Unendlichkeit in den Kinos an. Ein Film für Wissenschaftsnerds, großes Drama oder ist es eher eine Liebesgeschichte, passend zum Geist der Feiertage? Muss man ihn überhaupt gesehen haben, wenn man mitreden will? Schließlich liest man überall, dass Eddie Redmaynes Nominierung für einen Oscar, für seine Darstellung von Hawking, so sicher ist wie das Amen in der Kirche.

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Die Ärzte gaben ihm zwei Jahre

Stephen Hawkings Buch Eine kurze Geschichte der Zeit (1988) verkaufte sich über zehn Millionen Mal zu einem Zeitpunkt, als Physiker bzw Astrophysiker noch nicht diesen popkulturellen Kultstatus der Charaktere aus The Big Bang Theory hatten. Hawking saß zu dem Zeitpunkt bereits aufgrund ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer Erkrankung bei der sich die Motorik des Nervensystems fortschreitend verabschiedet, im Rollstuhl und hatte auch die Fähigkeit zu sprechen verloren. Sah er auch nicht aus wie ein Hollywoodstar, so schaffte er es komplexe Theorien über das Universum für Laien verständlich zu machen, was ihm große Popularität einbrachte – und u.a. einen Gastauftritt in der Serie Star Trek: Das nächste Jahrhundert, Die Simpsons und eben auch in The Big Bang Theory. Aber man darf von Die Entdeckung der Unendlichkeit keinen Film wie eine 123 minütigen Vorlesung erwarten, denn er basiert in erster Linie auf Jane Hawkings Buch Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking und wurde von Working Title Films produziert, das u.a. für seine Kostümdramen (Anna Karenina, Les Misérables) und perfekten Zeitkolorit (Rush, Abbitte) bekannt ist.

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Die Entdeckung der Unendlichkeit erzählt die Geschichte von zwei jungen Menschen, die sich an der Uni in Cambridge kennenlernen, verlieben und dann heiraten, obwohl Stephen die Diagnose erhalten hat, dass er keine zwei Jahre mehr zu leben hat. Doch Stephen lebt länger und die Hawkings bekommen Kinder, aber während sich sein Geist vollkommen entfalten kann, ist er körperlich schon bald hilflos und völlig auf Jane angewiesen, die bald an die Grenzen ihrer Kraft stößt. Dass Hawking auch heute noch lebt, ist (hoffentlich) kein Spoiler, aber da nicht jeder weiß, wie sein Leben verlief, sei hier nicht mehr zum Inhalt der Geschichte gesagt.

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Der Oscar-Hype um Redmayne ist ohne Zweifel gerechtfertigt. Er spielt Hawkings perfekt und dazu gehört mehr, als nur mal den Kopf schief zu legen oder (als junger Mann) kraftlos umzufallen. Redmayne schafft es die schleichende, aber zerstörerische Entwicklung der Krankheit zu zeigen und das ohne beifallssuchende große Gesten. Es ist eine beindruckende Leistung. Die zweite große Rolle in diesem Film, die von Jane, wird von Felicity Jones gespielt und auch wenn sie von Redmaynes Leistung zwangsläufig in den Schatten gestellt wird, überzeugt auch sie. Das gilt auch für alle Nebendarsteller wie Charlie Cox, Maxine Peak u.v.m. Was Redmayne wirklich ebenbürtig ist, ist wieder einmal Working Title Films sicheres Gespür für Zeitkolorit. Gerade Cambridge in den 60ern, bis ins kleinste Detail liebevoll präsentiert, und die Kleider, die Frisuren – wer Kostümdramen liebt, dem geht hier das Herz auf. Doch so schön der Film anzusehen ist, er ist zu lang. Zwei Stunden für einen Film ohne wirkliche Spannung (es sei denn man geht ohne jedes Vorwissen rein und mag dazu noch Kostümfilme) ist nicht optimal. Man braucht auch keine zwei Stunden um zu verstehen, dass Liebe nicht einfach aufhört, nur weil der Partner plötzlich im Rollstuhl sitzt, dass aber Verantwortung, die nur auf den Schulter von einem lasten, zu viel werden kann.

Fazit

Eddie Redmaynes Darstellung von Stephen Hawking ist eine beeinruckende Glanzleistung, die man eigentlich nicht verpassen sollte, besonders wenn man englische Kostüm- und Liebesfilme mag. Die Entdeckung der Unendlichkeit ist eher ein Film über Jane und Stephen Hawking und die Herausforderungen an ihre Beziehung durch seine Krankheit, als eine wissenschaftliche Abhandlung. Respektvoll in schönen Bildern erzählt, ist der Film jedoch zu lang und lässt gelegentlich eine gewisse Spannung missen. Freigegeben ist er ab 0 Jahren.

7.5
Kostümbiopic

Pros

  • Super Hauptdarsteller
  • Gelungenes Zeitkolorit
  • Schöne Bilder

Kontras

  • Zu lang
  • Ein bisschen dröge

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8