Review: John Wick

Man fragt sich ja gern mal: wie konnten die nur das Geld für den Film auftreiben? Wer den Kurzinhalt zu John Wick liest, wird vermutlich genau das denken, denn die Story hat sooo nen Bart und dazu noch Sad Keanu – was kann da schon bei rauskommen? Nun, nichts geringeres als Keanu Reeves bester Film seit langem und 101 höchst unterhaltsame Minuten. Unsere Kritik gibt es heute und den Film ab 29. Januar 2015 im Kino.

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Everybody was gun fu fighting

John Wick (Reeves) ist ein legendärer Profi-Killer. Oder genauer gesagt war es, denn als er seine Frau kennenlernte, stieg er aus. Doch sie verstirbt plötzlich und alles was ihm außer Erinnerungen und Fotos von ihr bleibt, ist ein Beagle Welpe namens Daisy. Als Wick sich weigert seinen 69er Boss Mustang an den jungen russischen Gangster Josef Tarasov (Alfie Allen) zu verkaufen, bricht dieser nachts bei ihm ein, schlägt ihn mit Hilfe seiner Kumpanen zusammen, tötet Daisy und verschwindet mit Wicks Auto. Als Josefs Vater, der Gangsterboss Viggo Tarasov (Michael Nyqvist), erfährt, was sein wenig intelligenter Sohn angestellt hat, versucht er noch das Schlimmste zu verhindern, aber es ist zu spät. Wick sinnt auf Rache.

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Chad Stahelskys Regiedebüt ist ein harter, geradliniger Action-Thriller und wer so etwas mag, der wird hier bestens bedient. Mag die Story noch so abgestanden sein, alle anderen Elemente sind so gut, dass das Ergebnis sich zu keinem Zeitpunkt angestaubt anfühlt. Da sind zum einen die Schauspieler: Willem Dafoe, Michael Nyqvist, Ian McShane, John Leguizamo, Lance Reddick, Adrianne Palicki, Bridget Moynahan und natürlich Keanu Reeves. Auch wenn seine größten Erfolge (Speed, Matrix) eher seinen Ruf als Action-Star statt als guten Schauspieler gefestigt haben, so ist er hier beides. Die Figur des Wick hätte sehr leicht überzogen, veraltet und albern wirken können, aber Reeves verleiht ihm etwas glaubhaftes. Wenn Wick sein altes Werkzeug wieder hervorholt, möchte man ihm am liebsten auf die Schulter klopfen und sagen “hol sie Dir, Junge”.

Mit 50 (!) ist Reeves auch in bemerkenswerter Form, was nötig ist, denn die Kampfszenen haben es in sich. Stahelsky und David Leitch, die beiden Gründer von 87Eleven, einer der besten Stunt-Gruppen Hollywoods, entwickelten für diesen Film einen neuen Kampfstil: Gun Fu, ein Mix aus Martial Arts und Waffen. Das Ergebnis sind schnelle, geschmeidige und alles andere als zimperliche Actionszenen. Ein weiteres Merkmal ist auch, das Wick im Gegensatz zu den meisten Action-Helden, nicht nur eine Kugel pro Gegner verbraucht – da ein Gegner mit einer Kugel im Knie oder Bauch immer noch zurückschießen könnte, investiert Wick gern mal in eine zweite oder dritte Kugel. Das ist zwar brutal, aber auch intelligent. Die Altersfreigabe für John Wick steht übrigens noch nicht fest, es ist allerdings realistisch  von 16 auszugehen.

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Die Geschichte ist bemerkenswert frei von Ballast, man erfährt z.B. nicht, warum Wick zu einem Killer wurde oder wieso Marcus (Dafoe) und ihn eine Freundschaft verbindet. Drehbuchautor Derek Kolstad hielt sich konsequent an die alte Regel, dass alles was die Handlung nicht weiterbringt, rausfliegt. Damit es aber nicht nur als  reines Abarbeiten von Tarasovs Schergen endete, machte er Wick das Leben etwas schwerer, indem er sich auch noch mit Miss Perkins (Palicki), die das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld kassieren will, auseinandersetzen muss. Kolstad arbeitete übrigens mit Reeves zusammen am Drehbuch und war begeistert, dass der Hauptdarsteller genauso viel Zeit in die Herausarbeitung der Nebenfiguren steckte, wie in seine. Das Ergebnis sind wunderbare Figuren wie der Concierge (Lance Reddick, bekannt aus Fringe als  Phillip Broyles) oder Winston (McShane), der über das Hotel Continental (einer Art Schweiz für Profikiller) regiert. Die Dialoge sind minimalistisch, hier ist ein “Oh!” aussagekräftiger als eine halbe Textseite, aber nichts ist eloquenter als Keanu Reeves trockenes “Aha!”. Die musikalische Untermalung ist manchmal nicht ganz so clever, aber passt trotzdem.

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Fazit

John Wick ist ein enorm unterhaltsamer Action-Thriller einer Art, wie sie ihn eigentlich früher in den 70ern gemacht haben: gradlinig, ohne viel warum-wieso-Firlefanz, brutal und spannend. Dazu sieht der Film auch ausgesprochen cool aus und ist bis in die kleinsten Nebenrollen exzellent besetzt. Als absoluter Glücksgriff erweist sich Keanu Reeves, der in seiner seit langem besten Rolle überzeugt – und das nicht nur in den großartig choreographierten Action-Szenen.

8
Cool

Pros

  • Keanu Reeves in einer seiner besten Rollen
  • Gun Fu
  • Schnörkellos
  • Großartiger Cast

Kontras

  • Teilweise zu brutal
  • Josef Tasarov ist so dumm, dass es nervt
  • Die Grundstory hat 'nen Bart

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
9