Review: STREIF – One Hell of a Ride

Streif, Lauberhorn, Kandahar, Bird of Prey – wer bei diesen Namen leuchtende Augen bekommt, der sollte sich den 15. Januar 2015 im Kalender markieren, denn dann kommt STREIF – One Hell of a Ride in die deutschen Kinos. Auch wer  die Namen Svindal, Cuche, Miller oder Neureuther schon mal gehört hat, sollte weiterlesen und alle die, die es bisher geschafft haben, das legendärste und gefährlichste Ski Alpin Abfahrtsrennen der Welt zu ignorieren, erst recht.

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“Rennfahren ist gefährlich. Punkt.”

2015 wird die Streif, die Herren Abfahrtsstrecke des Kitzbühler Hahnenkamm-Rennens, zum 75. Mal ausgetragen – wenn das Wetter mitspielt. Pünktlich zum Jubiläum gibt es den Film von Gerald Salmina (Mount St. Elias, The Way of the Eagle), der mit seinem Team über ein Jahr nicht nur die Athleten und Kitzbüheler bei ihren Vorbereitungen auf das Rennen begleitet hat, sondern auch einen Blick auf die Geschichte des Traditionsrennens und ihre Opfer wirft. Als Erzähler konnten Didier Cuche und Daron Rahlves gewonnen werden, der eine Schweizer und zum Kummer Österreichs Rekordsieger (5x) auf der Streif, und der andere der erste Amerikaner, der das Rennen nach 44 Jahren wieder gewinnen konnte (2003).

STREIF_Streckenuebersicht_Copyright_Kitzbueheler SkiclubWarum stürzt sich jemand auf zwei Brettern (inzwischen nur noch dem Namen nach, Rennski sind schon lang keine veredelten Holzplanken mehr) einen eisigen Hang runter und riskiert Kopf und Kragen? Nun, wer die Frage grundsätzlich stellt, der kann einfach noch nie auf Skiern gestanden haben. Ski fahren ist ein Lebensgefühl und STREIF setzt dies als Vorwissen voraus. Hier geht es nicht um den Sport im allgemeinen, sondern um ein einziges Rennen. Ruhm und Ehre? Sicherlich. 50.000 Skifans stehen beim Rennen an der Strecke und im Zielraum und bejubeln jeden, der sich aus dem Starthäuschen traut, denn schon allein das Gefälle dort beträgt 50 Prozent! Aber es geht nicht nur um das Spektakel, die Streif ist die ultimative Herausforderung für jeden Abfahrer, denn sie verzeiht keine Fehler, dafür ist sie zu steil, zu schnell und zu eng. Die maximale Neigung im Streckenabschnitt „Mausefalle“ beträgt 85 Prozent, der Sprung im selben Abschnitt geht über 60 Meter, und wenn die Rennfahrer es fast überstanden haben, dann beschleunigen sie noch einmal auf bis zu 142 km/h im Zielschuss. Hier brauch man alles: Kraft, Kondition und Können. Anhand von fünf sehr unterschiedlichen Rennfahrern, versucht Salmina den Reiz dieser ganz besonderen Strecke verständlich zu machen, darunter Aksel Lund Svindal (Norwegen), dem Superstar des alpinen Rennsportes, die Österreicher Hannes Reichelt (Sieger 2014) und Max Franz, Eric Guay (Kanada) und Yuri Danilochkin (Weißrussland).

Aksel Lund Svindal - ActionDie Liebe zum Ski fahren, einmal geweckt, hört nie wieder auf. Dass der Anfang von STREIF extrem schnell geschnitten ist, könnte besonders für ältere Zuschauer, deren Sehgewohnheiten nicht von Actionfilmen geschult wurden, wie eine Schussfahrt direkt zum Kopfschmerz wirken. Das ist sehr schade, denn eigentlich ist dieser Film einer für Skifans jeden Alters. Wunderschöne Bilder von der Strecke und vom Rennen, wenn die Kamera in ultra slow-motion auf die Rennfahrer hält, wenn man im Detail jede Bodenwelle sieht, über die die Rennfahrer auf den Kanten ihrer Ski rasen, wie jeder Muskel den Fliehkräften versucht entgegenzuwirken, und das alles auf einer großen Kinoleinwand, da schlägt das Herz höher. Grobkörnige Archivaufnahmen aus z.B. den 80ern rufen einem Momente großer Spannung und Dramen vor dem Fernseher in Erinnerung und man wird daran erinnert, welche Fortschritte seitdem gemacht wurden – nicht nur in der Qualität der Bildaufnahmen, auch der Sicherheit für die Rennfahrer. Denn natürlich kommt ein Film über die Streif nicht ohne Aufnahmen spektakulärer Stürze aus. Salmina weiß um deren Wirkung, aber er lässt auch Daniel Albrecht (Schweiz) und Hans Grugger (Österreich) zu Wort kommen, beides große Talente, die nach einem schweren Sturz auf der Streif ihre Karriere beenden mussten und einen hohen Preis dafür bezahlten. Bis auf eine nachgespielte Szene im Krankenhaus, die irgendwie unnötig ist, beweist Salmina hier viel Feingefühl.

Didier Cuche- LifestyleSTREIF is 110 Minuten lang, aber es kommt keine Langeweile auf. Der Film baut sich auf wie das Jahr zum Rennen hin, gibt Einblicke in die Saisonvorbereitung der Athleten und ist bei Besprechungen des Kitzbüheler Skiclubs dabei, die alles dafür tun, um das Rennen austragen zu können, auch wenn Mutter Natur einfach mal eine Warmfront schickt. Er zeigt, mit wieviel persönlichem Einsatz Athleten wie Danilochkin alles geben, um dabei zu sein, trotz fehlender staatlicher Unterstützung. Die Abfahrt der Herren ist zwar das absolute Highlight, aber STREIF zeigt auch den Slalom, der im Rahmen der Hahnenkamm-Rennen ausgetragen wird, der ebenfalls zu den schwersten der Welt gehört und den Felix Neureuther dieses Jahr, nach 2010, wieder gewinnen konnte. STREIF wäre fast perfekt, wäre da nicht die künstlerisch angehauchte Abschlusssequenz. Alles baut sich auf das Abfahrtsrennen 2014 auf, ein Rennen, dass an Spannung kaum zu überbieten war, aber anstatt einen kompletten Lauf zu zeigen, werden die Bilder vom Rennen immer wieder von einem Performance Art Künstler unterbrochen, der mit einer Feder und Knochen rumbalanciert. Symbolik gut und schön, aber es bringt einen völlig raus und es frustriert. Man möchte am liebsten zum Skistock greifen, um ihn von der Leinwand zu prügeln, damit man noch einmal den Lauf von Miller, Svindal oder Reichelt sehen kann.

STREIF_KSC_Pistenpraparierung_Nacht_Copyright_Planet_WatchFAZIT

STREIF – One Hell of A Ride ist ein unterhaltsamer Film mit tollen Bildern über eine einzigartige Abfahrt, ihre Faszination und all die Arbeit, die dahinter steckt. Für Fans des alpinen Rennsports ein Muss und auch für alle anderen, die außerhalb von Kunst und Kultur gerne Filme sehen, eine klare Empfehlung. Das gelegentlich mal ein Satz für Hochdeutsch gewohnte Ohren schwer zu verstehen ist, sollte einen übrigens nicht abschrecken. Es gibt zwei Punkte Abzug für den zu schnell geschnittenen Anfang und die unsäglichen Performance Art Unterbrechungen am Ende.  Trotzdem: STREIF – One Hell of a Ride ist der Streif würdig.

8
Faszinierend

Pros

  • Tolle Aufnahmen
  • Einblicke in Vorbereitung von Hang & Rennläufern
  • Gute Auswahl der Athleten
  • Viele interessante Archivaufnahmen

Kontras

  • Anfangs zu schnell geschnitten
  • Performance Art unterbricht das Rennen am Ende
  • Nachgestellte Krankenhauszenen

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8