Review: 1001 Gramm

Was wiegt die Seele? Wieviel wiegt ein Kilo ganz genau? Woraus besteht das Urkilo? Was hat der Franzose nur an sich, dass selbst die kühlste Frau auftaut? Wer auf all das eine Antwort, nämlich: “wen interessierts?” hat, für den ist Bent Hamers (Kitchen Stories) Film vielleicht nicht das richtige. Für alle anderen gibts unsere Kritik als kleine Entscheidungshilfe ob der norwegische Film 1001 Gramm den Gang ab dem 18. Dezember ins Kino lohnt.

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Marie (Norwegens Publikumsliebling Ane Dahl Torp) ist Wissenschaftlerin und wie ihr Vater arbeitet sie beim norwegischen Eichamt. Ihre Ehe ist zerbrochen, ihre Abende sind einsam, aber sie hat sich stets unter Kontrolle. Dann passiert etwas unvorhergesehenes und  Marie wird zum Kiloseminar nach Paris geschickt. Mit im Gepäck: das norwegische Kilo. Während es im Kiloseminar noch um Fragen geht wie ob man das Referenzkilo vor dem Wiegen reinigen sollte oder nicht, stellt das Schicksal Marie bald vor viel wichtigere Fragen. Hilfe bekommt sie dabei von Pi (Laurent Stocker), einem französischen Wissenschaftler, der inzwischen aber lieber als Gärtner beim internationalen Büro für Maß und Gewicht BIPM (Bureau International des Poids et Mesures) arbeitet. Und schließlich gibt es da noch die Frage, was am Schluss von einem Menschen übrig bleibt. Wieviel wiegt die Seele?

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1001 Gramm lief dieses Jahr beim Toronto International Film Festival (tiff), wo er u.a. als charmant, liebenswert und mit leichter Hand inszeniert gelobt wurde. Allerdings fand man ihn auch ein bisschen zu speziell für das breite Publikum, es fiel gar der abschreckende Begriff “Art House Kino”, aber das stimmt irgendwie auch nicht so richtig, denn 1001 Gramm ist nicht Kunst um der Kunst willen. Es ist ein sehr behutsamer, leiser, nachdenklicher, aber gleichzeitig auch sehr humorvoller, konsequenter und ermutigender Film mit schönen Bildern. Er wird ein eher älteres Publikum ansprechen, dass sich bereits mit dem Thema Verlust auseinandersetzen musste und dass ein gemächliches Tempo schätzt, denn obwohl der Film nur 91min lang ist, fühlt er sich viel, viel länger an. Nicht deswegen, sondern wegen einer sehr schönen Szene, die ein wunderbares Ende abgegeben hätte, hätte der Film sogar ein paar Minuten früher aufhören können. Bedauerlicherweise aber packt Hamer am Schluss den Holzhammer aus und setzt dem Film ein Ende drauf, dass man nur als unsubtil bezeichnen kann. Uneingeschränkt loben muss man hingegen Ane Dahl Torps Darstellung, die man passenderweise als ausgesprochen präzise bezeichnen kann.

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Fazit

1001 Gramm ist ein unaufgeregter, nachdenklicher und humorvoller Film für Leute mit viel Geduld. Zu Recht wurde er als Norwegens Beitrag für die Oscars nominiert. In ruhigen und teils sehr originellen Bildern erzählt er von Verlust, Gewichten und Gewichtung, Kontrolle und Glück. Tempo und Thematik zielen auf ein älteres Publikum ab und wer gerne nach einem Film über Symbolik und tiefere Bedeutung spricht, der bekommt hier genug Material. Kein Film fürs Multiplex, aber ein schöner Film für kleinere Kinos.

 

6.5
Gewichtig

Pros

  • Humorvoll und nachdenklich
  • Wunderbar schräge Bilder
  • Tolle Hauptdarstellerin

Kontras

  • Fühlt sich extrem lang an
  • Aufgesetztes Ende

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
6