Review: Die Boxtrolls

Am 23. Oktober kommte nach den Oscar-nominierten Filmen Coraline und ParaNorman mit Die Boxtrolls das dritte Stop-Motion Animationsabenteuer aus dem Haus LAIKA ins Kino. Wer die Vorgänger kennt, der hat eine vage Vorstellung davon, was einen erwartet, für alle anderen empfiehlt es sich, die ganze Kritik und nicht nur das Fazit zu lesen. Ganz besonders (und trotz der FSK ab 6 Jahre) wer vor hat, die lieben Kleinen mal für 96min ins Kino zu schicken.

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Man trägt jetzt Schachtel

Unter den gepflasterten Straßen der viktorianischen Stadt Cheesebridge, deren Bewohner nichts so sehr schätzen, wie teuren, aber stinkenden Käse, leben die Boxtrolls. Ein  vielleicht nicht ganz reinliches, aber liebenswertes und harmloses Völkchen, das aus den Abfällen der Bewohner Cheesebridges tolle Dinge bastelt und Altkartons trägt wie die Menschen Bekleidung. Aber man lebt in Furcht vor den Boxtrolls, da sie angeblich Käse und Kinder stehlen. Von wegen stehlen, als sie den Waisenjungen Eggs finden, nehmen sie sich seiner an und ziehen ihn liebevoll groß. Als dessen Adoptivvater Fish von Trolljägern entführt wird,  macht sich der aufgeweckte 11-jährige Junge auf nach oben. Dort trifft er auf die gleichaltrige und sehr selbstbewusste Winnie, die Tochter des Bürgermeisters. Zusammen wollen sie dem Trolljäger Archibald Snatcher das Handwerk legen und die Boxtrolls retten. Es ist der Anfang eines verrückten Abenteuers. Aber echte Helden kommen eben in allen Größen und Formen – und manchmal sind sie sogar rechteckig.

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Tricktechnisch bewegt sich Die Boxtrolls auf sehr hohem Niveau und ist eine wahre Augenweide. LAIKA kombinierte für diesen Film die bewährte Stop-Motion-Technik, bei der Puppen bzw. Gegenstände von Hand in geduldiger Kleinstarbeit bewegt werden, mit am Computer generierten Effekten (CGI) und ganz altmodischen Handzeichnungen. Dazu wurde der Film in 3D gedreht, was den Einsatz gleich zweier Kameras erforderten. Man verwendete außerdem modernste 3D Drucktechnik und Motion Capture und handwerkelte in akribischer Handarbeit detaillierte Figuren, Sets, Gegenstände und Bekleidung. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen und wer ihn mehrmals sehen will (oder muss), der wird immer etwas Neues entdecken können.

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Die Boxtrolls erzählt keine wahnsinnig komplizierte Geschichte, aber die Botschaft ist eine wichtige: nur weil jemand anders aussieht, sich anders kleidet oder einfach anders ist, ist das noch lange kein Grund ihn auszugrenzen, zu meiden oder sich vor ihm zu fürchten. Kindern kann man das gar nicht oft genug sagen und auch so manchem älteren Zuschauer kann es nicht schaden, dies mal wieder vorgeführt zu bekommen. Allerdings ist die Geschichte schon ein bisschen simpel für Erwachsene, die animierte Filme lieben und von Pixar oder, um andere Stop-Motion Filme zu nennen, auch Tim Burton’s Nightmare Before Christmas, Corpse Bride oder LAIKAs Coraline verwöhnt sind. Für Kinder ist die Geschichte grundsätzlich geeignet, allerdings sollte man wegen diverser Figuren und Szenen bei kleineren Kindern überlegen, ob es etwas für sie ist, besonders, wenn sie bisher nur Disney Filme gesehen haben. Zwar haben viele der lieben Kleinen eine große Freude an ekligen Dingen und (mildem) Grusel, aber die Figur des Archibald Snatcher (siehe Bild unten) ist wirklich unappetitlich anzusehen und kann durchaus auch bedrohlich wirken. Die Boxtrolls aber, sind wirklich goldig und liebenswert – auch wenn sie sich fernab aller Schönheitsideale bewegen.

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Fazit

LAIKAs dritter Film ist nach Coraline und ParaNorman eher für Kinder gemacht, wenn auch vielleicht der gelegentlich bedrohliche Ton und auch eine unappetitliche Hauptfigur nichts für die zarteren darunter sind. Begleitpersonen oder einfach Freunde von animierten und Stop-Motion Filmen werden viel Freude an den liebevollen Details haben und werden das flotte Tempo zu schätzen wissen. Ein Faible für skurrile Figuren sollte man idealerweise mitbringen.

 

7.5
Boxtastisch

Pros

  • Bezaubernde Boxtrolls
  • Toll animiert
  • Voller liebevoller Details

Kontras

  • Unappetitlicher Bösewicht
  • Story zu einfach für Erwachsene
  • Zu düster für die ganz Kleinen

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
9