Review: Get On Up

Wer kennt “I Got You (I feel good)” aus dem Jahr 1965 von James Brown nicht, dem vielleicht populärsten Hit der schillernden Soul- und Funklegende, der 1987 so wirkungsvoll im Film Good Morning, Vietman eingesetzt wurde. Dass Brown kein liebenswerter Typ war, ist hinlänglich bekannt, aber ein Film über den “Godfather of Soul” war unvermeidlich, zu bedeutungsvoll war seine Karriere, zu erstaunlich sein Leben. 2006 verstarb Brown und keine zehn Jahre später kommt am 9. Oktober das von Brian Grazer und Mick Jagger produzierte Biopic Get On Up in die Kinos. Unvermeidlich, aber auch gut? Ja – mit kleinen Einschränkungen. Zu lang mit 138min? Ja.

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Nenn mich Mr. Brown!

1933 in den Südstaaten schwarz, in ärmlichen und zerrütteten Verhältnissen geboren, im Bordell der Tante (gespielt von Oscar Gewinnerin Octavia Spencer) aufgewachsen, es war eine denkbar ungünstige Ausgangsposition für den kleinen James Brown. Aber er hatte auch Glück, denn er wurde mit Geschäftssinn und einem großen musikalischen Talent geboren. Er wurde zuerst von Bobby Byrd (Nelsan Ellis) entdeckt, einem Mithäftling im Gefängnis und noch Teenager, so wie er. Sein Manager und Agent Ben Bart (Dan Aykroyd) half ihm dann dabei seine großen Träume zu verwirklichen. Mit der Unterstützung dieser beiden Männer und einer Arbeitsmoral, die schon an Besessenheit grenzte, legte James Brown eine unglaubliche Karriere hin. Ihm waren die geltenden Regeln völlig egal – nur weil etwas bisher immer so und schon gar nicht von einem Schwarzen gemacht wurde, hieß noch lange nicht, dass er sich davon einschränken lassen würde. Niemand konnte Mr. Brown, wie er darauf bestand angesprochen zu werden, vorschreiben, was er nicht tun könne. Doch der Mann mit dem eigenen Tanz- und Musikstil, schrieb den Menschen in seinem Leben sehr wohl vor, was sie tun konnten und was nicht und wer die Regeln brach, wurde bestraft.

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Dan Aykroyd, der nicht nur mit Brown gearbeitet und ihn live auf der Bühne erlebt hatte, sondern auch mit ihm befreundet war, zeigte sich begeistert von Chadwick Bosemans Darstellung als James Brown. Zu Recht, denn Boseman liefert eine wirklich brilliante schauspielerische Leistung ab. Er schafft es sowohl Brown’s Bühnenpräsenz, Stimme und Tanzstil perfekt einzufangen, als auch die durchaus schwierige Persönlichkeit des Entertainers. Das ungeheure Selbstbewusstsein, mit dem er sich über nicht endenwollende Hürden, die einem schwarzen Künstler damals in Amerika in den Weg gelegt wurden, hinwegsetzte,  das sich aber auch schnell in Arroganz umschlug. Der ungeheure Fleiß mit dem er an seiner Musik feilte und seine Stimmungsschwankungen. Bei Boseman wirkt nichts deplaziert oder gar ironisch und verkleidet wirkt er erst Recht nicht. Sehr schön auch die Momente, in denen er direkt in die Kamera spricht. Sollte er eine Oscar Nominierung erhalten, dann wäre das alles andere als eine Überraschung.

2435_D026_00196R_CROPWas bleibt von Get On Up, wenn man mal von Boseman absieht? Das Schauspielerensemble, darunter Aykroyd, Spencer, Ellis und Viola Davis, liefern alle überzeugende Darstellungen ab. Das Zeitkolorit wurde wunderbar getroffen, besonders die Arbeit der Kostümdesignerin Sharen Davis, die bereits mit Regisseur Tate Taylor – genauso wie die Schauspieler Spencer, Ellis und Davis – bei dessen Welterfolg The Help mitgearbeitet hatte, sticht hervor. Apropos Taylor, seine Erzählweise ist die große Schwäche des Films. Das ständige hin- und herspringen zwischen verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen ist bei einem so langen Film unglaublich anstrengend, besonders auch durch die abrupten Stimmungswechsel. Sicherlich wird es so manchem gefallen und es lässt sich wunderbar als visuelle Umsetzung der berüchtigten Launenhaftigkeit von Brown interpretieren.  Man kann aber auch Kopfschmerzen von bekommen.

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Fazit

James Brown war ein talentierter Musiker und anstrengender Mensch. Get On Up ist irgendwie auch so: auf Dauer anstrengend, aber voller schmissiger Musik. Tate Taylors Film zeigt viele, auch aus zeitgeschichtlichen Aspekten, interessante Momente seiner Karriere, wobei er sich eher auf die früheren Jahre konzentriert. Chad Boseman liefert eine Oscar-würdige Leistung ab, während die Erzählstruktur eine Geschmackssache ist. Besonders spannend ist Get On Up nicht wirklich und die Szenen mit den Bühnenauftritten sind meistens zu kurz gehalten. Alles in allem ist es ein ordentliches Biopic geworden.

FSK :12

7
Launisch

Pros

  • Chad Boseman ist James Brown
  • Guter Zeitkolorit
  • Gute Musikauswahl

Kontras

  • Zu sprunghafte Erzählweise
  • Musiknummern sind zu kurz
  • Irgendwie unspannend

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
7