Review: Gone Girl

Mit Gone Girl kommt am 2. Oktober die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Gillian Flynn in die Kinos. Flynn schrieb selbst das Drehbuch und Regisseur David Fincher (Sieben, Fight Club, The Social Network) erklärte in einem Interview, er wolle mit seinem Film haufenweise Scheidungen auslösen. Das sollte einen jedoch nicht vom Kinobesuch abhalten – oder etwa doch?

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Mehr Schein als Sein

Wer Gone Girl gelesen hat, wird keine Einführung mehr brauchen. Wer es (noch) nicht (fertig) gelesen hat, der sollte möglichst alle Spoiler meiden und sich einfach auf den Film einlassen, auch wenn die Geschichte nicht nur von ihren Wendungen und Enthüllungen lebt. Von uns gibt es deshalb auch nur eine ganz kurze Inhaltsangabe, die nur die Grundstimmung setzen soll. Amy (sensationell: Rosamund Pike) verschwindet unter ungeklärten Ursachen an ihrem 5. Hochzeitstag aus ihrem Haus. Ihr Mann Nick (sehr stark: Ben Affleck) ruft die Polizei, die ihn direkt als Hauptverdächtigen ins Auge fasst. Dann kristallisiert sich langsam heraus, dass es hinter der Fassade des Glücks ziemlich bröckelte und die Medien entdecken die Story für sich.

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Es ist keine einfache Zeit, um nur man selbst zu sein, schreibt Gillian Flynn. Jeder versucht sich auf eine bestimmte Weise zu präsentieren und wenn man nur ein idealisiertes Bild von sich verkauft, wie soll man da seinen Seelenverwandten finden? Weiß man überhaupt, mit wem man zusammen ist? Dieser Grundgedanke hinter Gone Girl hätte leicht in den Händen eines anderen Regisseurs in einem schwafeligen, verkopften oder noch schlimmer kitschigen Film enden können. Fincher aber macht es sehr geschickt. Sein Blick ist nüchtern – seine Protagonisten und ihre Welt sind halt so – und er hält den Spannungsbogen straff. Das ist auch gut so, denn der Film ist mit 149 Minuten nicht gerade kurz. Aber, es sind kaum Stellen drin, auf die man leicht hätte verzichten können, ohne das große Ganze ins Wanken zu bringen. Finchers Film ist fast wie ein kalter Spiegel für die Generation Facebook und er ist nicht gerade zimperlich bei den Bildern, die er zeigt. Die Freigabe ab 16 kommt nicht von ungefähr. Auch die amerikanischen Medien kommen hier alles andere als gut weg.

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Mit Fincher hatte man den richtigen Regisseur für die bitterböse Geschichte einer Ehe gefunden, aber es sind in erster Linie die schauspielerischen Leistungen, die den Film erst wirklich funktionieren lassen. Rosamund Pike liefert eine Oscar-reife Darstellung ab, sie berührt genauso wie sie abstößt und ist dabei stehts so unnahbar, dass Grace Kelly, mit der das ehemalige Bond Girl gern verglichen wird, wie die Warmherzigkeit in Person erscheint. Auch Ben Affleck stellt sich als die perfekte Besetzung heraus. Nun hat ihn ja nicht jeder gern, aber seine Leistung steht Pikes in kaum etwas hinterher. Was könnte man besseres sagen, als dass er als Nick Dunne vollkommen glaubwürdig ist? Erwähnt werden müssen auch die beiden anderen starken Frauenfiguren, die aus dem Ensemble herausragen: Carrie Coon als Nicks Zwillingsschwester und Kim Dickens als Detective Rhonda Boney.

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Gone Girl hat allerdings auch ein paar Schwächen. Gegen Ende des Filmes stagniert der Spannungsbogen etwas. Man erwartet, dass Fincher nochmal einen draufsetzt, aber irgendwie hat sich dann bereits alles eingependelt und auch wenn es nochmal richtig bitterböse wird, schockt einen das dann nicht mehr wirklich. Außerdem wird das Ende nicht jedem zusagen. Dazu kommt auch, dass die Filmmusik nicht unbedingt zu Trent Reznors (Nine Inch Nails) besten Arbeiten gehört. Wem das Buch von der Art (nicht der Geschichte!) nicht gefallen hat, der sollte auch nicht unbedingt ins Kino gehen. Ich selbst mochte den Stil gar nicht und so ging es mir dann auch im Film.

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Fazit

Gone Girl ist ein eiskalter, bitter-bitterböser und spannender Thriller für Erwachsene. Nicht gerade optimal als Date-Movie, aber wer sich nach einem Film gerne darüber unterhält, der bekommt hier mehr als genug Konversationsmaterial. Die schauspielerischen Topleistungen von Pike und Affleck machen ihn zu einem Oscarkandidaten und wer Finchers Filme mag, der ist hier auch richtig.

 

8
Eiskalt

Pros

  • Starke Schauspieler
  • Spannend und bitterböse
  • Interessante Perspektivenwechsel

Kontras

  • Zu lang
  • Mittelmäßige Musik
  • Lässt gegen Ende nach

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8