Review: Dracula Untold

Dracula hat es bekanntlich nie lange in seiner Kiste ausgehalten und so vladdert, Verzeihung, flattert am 2. Oktober mit Dracula Untold das neueste Abenteuer des Fürsten der Finsternis, diesmal in der nicht gerade unattraktiven Form von Luke Evans, in unsere Kinos. Mit im Gepäck: viel Action, Fantasy, nette Special Effects,  eine tragische Geschichte, unterirdische Dialoge und natürlich Fledermäuse.

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Dracula macht die Osmanen vlad

Das aus dem kleinen Vlad mal der große, böse Dracula würde, damit hatte sein Vater vermutlich nicht gerechnet, als er den Knaben zusammen mit 999 anderen den Osmanen als Tribut gab. Ganz zu schweigen davon, dass der Filius lebendig nach Transsylvanien wiederkehren würde. Doch Vlad hatte das Zeug zum Kindersoldaten und sein Markenzeichen, das Aufspießen der Gegner, verschaffte ihm den Beinamen Vlad Tepes (der Pfähler). Als er in sein Fürstentum zurückkehrt, hofft er, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nur noch guter Herrscher, Gatte und Vater zu sein. Da verlangt der osmanische Sultan Mehmed 1000 Knaben als Tribut, auch seinen Sohn. Vlad erkennt, dass er jemand noch fürchterlicheres werden muss, als nur der Pfähler, um die seinen zu beschützen. Er macht sich auf zu der unheimlichen Kreatur, die in einer Höhle im Reißzahngebirge haust.

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Dracula Untold verbindet ein paar historisch belegte Tatsachen mit Bram Stokers Version und vor allem mit einer ordentlichen Portion Fantasie und erzählt eine Lebensgeschichte, die so bestimmt nicht war und sein Titelheld schon gar nicht. Vlad III war, um es salopp auszudrücken, ein wahrer Drecksack. Aber auf der Leinwand macht sich Luke Evans als gequälte und heroische Seele einfach besser. Einer, der gar nicht der Sohn des Drachen bzw des Teufels sein will – ganz im Gegenteil zum echten Vlad, der seinen Männern höchstpersönlich befahl in Dracula zu nennen, also Sohn des Drachens/Teufels – er ist eher ein Dracula der Umstände. So oder so, Luke Evans ist das Beste an diesem Film. Egal ob als Vlad oder als Dracula, ob in Rüstung oder hemdfrei, immer trifft er den Ton und lässt seine Figur nie überzogen oder gar albern wirken. Ganz im Gegenteil zu seinem Widersacher im Film. Dominic Coopers Auftritt als osmanischer Sultan Mehmed hat den Charakter einer Audition für Ein Käfig voller Narren und seine deutsche Synchronstimme macht es auch nicht besser. Es ist eine gar unselige Kombination.

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Zu den Highlights des Filmes gehören ohne Zweifel die Szenen mit den Fledermäusen, die hier sehr schön eingesetzt werden. Ebenfalls gelungen ist der Look des Films, der zwar ruhig einen Hauch düsterer hätte sein können, aber der sich erfreulich konsequent durch den Film zieht. Auch die Kostüme von Ngila Dickson, die für ihre Arbeit an Peter Jacksons Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, passen zu dem Gesamtdesign. Das Erzähltempo ist recht flott und mit 92 Minuten ist der Film auch nicht zu lang – erfreulicherweise hat man darauf verzichtet, ihn in 3D zu drehen.

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Was wahrlich finster an diesem Film ist, sind die Dialoge, die zumindest in der deutschen Version grausig schlecht sind. Wer diese großzügig überhören oder das Hörgerät ausstellen kann, der wird wesentlich mehr Freude haben. Das gilt auch für die musikalische Untermalung, die sich fernab jeder subtilen Note bewegt. Die Szene, in der Vlad auf den Master Vampir trifft ist erschütternd ungruselig – gruselig ist daran nur, dass niemand den Rotstift ansetzte. Die Actionszenen reichen von ordentlich bis sehr gut (Stichwort: Fledermäuse), aber man sollte kein ausuferndes Gemetzel erwarten – der Film hat die FSK 12 erhalten.

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Fazit:

Dracula Untold ist ein überraschend ungruseliger Film mit einem anständigen Erzähltempo, guten Effekten und einem überragenden Hauptdarsteller. Schwache Dialoge dürfen einem nichts ausmachen und wer auf der Suche nach Logik ist, wird bei diesem etwas unausgegorenen Genremix nicht fündig werden. Wer ihn der Vollständigkeit halber sehen will, wird es überleben und wer keine hohen Ansprüche stellt, wird Spaß haben.

5.5
Ungruselig

Pros

  • Luke Evans ist perfekt besetzt
  • Fledermäuse Special Effects

Kontras

  • Unterirdische Dialoge
  • Unausgegorener Fantasy-Geschichts-Mix
  • Dominic Cooper als Mehmed

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
6