Review: Hyrule Warriors (Wii U)

Am vergangenen Freitag ist das langersehnte Dynasty Warriors / Zelda Spin-off Hyrule Warriors von Koei Tecmo Games endlich in Deutschland erschienen. Einen guten Monat nach dem japanischen Release, erschien der Titel mit allen bisher veröffentlichten Updates auf Disc und im Wii U eShop. Dennis und ich – beide riesige Zelda Fans – waren vorab sehr skeptisch, was das Spin-off anging.

Natürlich habe ich nach Release sofort jede freie Minute des Wochenendes genutzt um das Hack & Slay im Zelda Mantel ausgiebig zu zocken und kann euch nun mit guten Gewissen meine Meinung zum Wii U Exklusivtitel mitteilen. Bevor wir beginnen möchte ich aber noch einmal eines klarstellen: Hyrule Warriors ist KEIN Zelda Spiel wie ihr es kennt! Es ist ein Dynasty Warriors mit jeder Menge Fan-Service.

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Hyrule im Kriegszustand

Der Storymodus des Spiels beginnt mit einem Überraschungsangriff der schwarzen Hexe Cia auf das friedliche Königreich Hyrule. Prinzessin Zelda und die Führerin der hylianischen Streitkräfte, Impa, sind der gegnerischen Schlagkraft nicht gewachsen. Selbst Link, der legendäre Held, schafft es nicht Schloss Hyrule vor den Angriffen zu schützen. Nachdem die Niederlage nur in letzter Sekunde abgewendet werden kann, ist Prinzessin Zelda auf einmal spurlos verschwunden. Link und Impa machen sich sofort auf die Suche um Zelda zu finden und die Truppen Cias zurückzuschlagen. Diese versucht zeitgleich eine finstere Macht aus der Verbannung zu entfesseln und das Triforce für ihre Machtgier zu missbrauchen. Doch Link und Impa sind nicht allein: Kurz darauf schließt sich die Hexe Lana ihrer Mission an, welche ebenfalls noch eine offene Rechnung mit Cia hat.

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Der “Legende” (Story-) Modus dauert je nach Fortschritt des Spielers zwischen neun und zwölf Stunden. Die zunehmend komplexeren Schlachten können in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden absolviert werden, wobei ein vierter Schwierigkeitsgrad nach Abschluss des Legende-Modus freigeschaltet wird. Die Story selbst ist überraschenderweise ganz ordentlich geworden, obwohl sie natürlich nicht an eine echte Zelda Geschichte herankommt. Für ein Hack & Slay ist die Länge des Storymodus außerdem absolut in Ordnung, da diese sich meistens eher im Bereich von sieben bis neun Stunden bewegen. Über den Verlauf der Story schaltet ihr außerdem auch die meisten der insgesamt 13 Charaktere frei. Weitere Kämpfer wurden kürzlich als DLC angekündigt, doch dazu später mehr.

Unter den Charakteren finden sich neben absoluten Fan Lieblingen wie Link, Impa, Zelda, Midna und Darunia auch ein paar weniger bekannte Charaktere und Helden, wie z.B. Agitha die Käfersammlerin. Außerdem könnt ihr in die Rolle von insgesamt drei der Antagonisten schlüpfen und euch auf Seite des Bösen durch die hylianischen Streitmächte prügeln. Jeder Charakter kommt zudem mit seinem ganz eigenen Skill- und Waffenset, welches ihr doch auch erst im Laufe des Spiels freischalten müsst.

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Massenschlachten mit Strategie

Indem ihr regelmäßig Schlachten mit den Charakteren bestreitet, steigen diese im Level auf und erhalten dadurch erhöhte Statuswerte. Auf den Schlachtfeldern findet ihr außerdem neue Waffen und Materialien, die spezielle Boni ermöglichen. Materialien können weiterhin zum Herstellen diverser “Badges” genutzt werden, die Charaktergebunden sind und Offensiv-, Defensiv- und Hilfsfähigkeiten freischalten. Beispiele hierfür wären etwa neue Angriffskombos, zusätzliche Spezialangriff-Energie, Resistenz gegen Elemente oder zusätzliche Heiltrank-Flaschen.

Betrachtet man allein diese Rollenspiel-Elemente der japanischen Produktion, wird schnell klar, dass sich hinter der offensichtlichen Hack & Slay Fassade ein doch recht komplexes Spiel versteckt. So umfasst Hyrule Warriors nicht nur RPG-Elemente, sondern hat auch einen nicht gerade kleinen Strategie Aspekt. Statt für Hack & Slays typische Schlauchlevel zeichnet sich die Dynasty Warriors Reihe vor allem durch seine weitläufigen Schlachtfelder aus, welche im Spiel eine erhebliche strategische Rolle spielen. So sind die Schlachtfelder meistens in kleine Bezirke und Stellungen eingeteilt, die der Spieler in der Regel einnehmen muss, um die Schlacht für sich zu gewinnen. Ebenfalls typisch für Dynasty Warriors: Während einer etwa halbstündigen Mission erledigt ihr nicht dutzende, nicht hunderte, sondern tausende von feindlichen Einheiten. 100 Gegner mit einer Kombo eliminiert? Keine Seltenheit in diesem Spiel.

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Schaut man sich Gameplay Videos des Spiels an, so sieht es ziemlich unspektakulär und monoton aus. Meine Meinung ist jedoch nach ein paar Stunden mit dem Spiel komplett umgeschlagen. Hyrule Warriors macht eine Menge Spaß, gerade für Zelda Fans. Das strategisch angehauchte Gameplay sorgt für Abwechslung und Dynamik, etwas das vielen Hack & Slays einfach fehlt. Rechnet man die Menge an freischaltbaren Inhalten und Charakteren hinzu, kann Hyrule Warriors durchaus für einige Dutzend Stunden Unterhaltung sorgen.

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Auf ins 8-Bit Abenteuer

Abseits des Storymodus gibt es derzeit drei weitere Spielmodi: das freie Spiel, den Abenteuer Modus, sowie den Challenge Modus. Im freien Spiel legt ihr die Regel fest und könnt jedes Szenario mit jedem Charakter absolvieren, selbst wenn es storytechnisch keinen Sinn ergibt. Im Challenge Modus wird der Spieler in Spezialmissionen auf die Probe gestellt. Mein Favorit ist jedoch der Abenteuer Modus, welcher ganz im Stil des allerersten Zelda Spiels für das NES gehalten ist.

Ihr navigiert auf einer zweidimensionalen 8-bit Oberwelt, die wie der Originaltitel in viele kleine Abschnitte eingeteilt ist. Hinter jedem Feld versteckt sich eine neue Herausforderung (Bsp. “Besiege zwei Bosse in 10 Minuten”, “Erledige 500 Gegner in 5 Minuten”), welche euch bei Erfolg neue Pfade öffnen und Items in die Hände spielen. Mit diesen könnt ihr Blockaden aus dem Weg räumen oder geheime Wege erforschen. Da der Abenteuer Modus einen fixen Schwierigkeitsgrad besitzt und auf Inhalten der Story basiert, empfiehlt es sich in jedem Fall, erst einmal den Legenden Modus abzuschließen. Anschließend können dann im Abenteuer die verbleibenden Charaktere des Spiels freigeschaltet werden. Der Modus greift weiterhin auf die Online-Funktionalität der Wii U Konsole zurück und zeigt die 8-Bit Links eurer Freunde auf eurer Weltkarte. Diese könnt ihr dann im Kampf unterstützen (kein Live-Koop Battle) und im Falle des Sieges gibt es Boni für beide Spieler.

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Einen Online Multiplayer gibt es übrigens nicht, obwohl die Möglichkeit besteht, die gesamte Story im Koop Modus zu bestreiten. Dazu spiel ein Spieler auf dem Wii U GamePad, während der andere Spieler den TV übernimmt. Das würde spielerisch soweit super funktionieren, wären da nicht die extremen technischen Einschränkungen. Der Koop Modus lässt sich zwar spielen, jedoch sinkt die Bildrate deutlich und auch die Auflösung von 720p ist auf zwei Bildschirmen gleichzeitig ist nicht zu halten. Es macht zwar Spaß, aber leider nicht so viel wie möglich gewesen wäre. Somit wären wir auch bei meinem Hauptkritikpunkt angekommen: der Grafik.

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Durchwachsene Präsentation

Optisch beeindruckt Hyrule Warriors nur selten. Zwar sind die Cutscenes zeitweise richtig schick geworden und können mit schönen Charakter-Modellen glänzen, doch ist der Rest des Spieles meistens eher mau in Puncto Grafik. Die Texturen sind manchmal ziemlich matschig und auch viele der Effekte wirken etwas sehr simpel. Dies liegt daran, dass Koei Tecmo mit einer hauseigenen Engine arbeitet, die eine sehr schnelle Spielentwicklung ermöglicht. Hyrule Warriors wurde beispielsweise in weniger als einem Jahr fertiggestellt. Spielt man das Spiel nicht gerade im Koop Modus, läuft zumindest alles sauber und durchgehend flüssig. Zudem würde es die Hardware einfach nicht erlauben, hunderte hochaufgelöste Feinde gleichzeitig flüssig dazustellen, die dann in einem Effektfeuerwerk untergehen. Glücklicherweise macht man sich dank des fordernden und rasanten Gameplays weniger Sorgen um die Grafik, als um die Scharen Monster, die auf den eigenen Charakter zustürmen.

Deutlich besser gefällt mir der der Soundtrack des Spiels, welcher aus einigen Eigenkompositionen, sowie viele Neuinterpretationen von original Zelda Stücken besteht. Dabei ist die Musik jedoch nicht orchestral, sondern vielmehr rockig ausgelegt. Als Fan lauter Gitarrenklänge freut mich dies natürlich besonders, zumal die Stücke wirklich gut zum actionlastigen Gameplay des Spiels passen.

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Download-Content für Hyrule

Das Spiel enthält derzeit Content aus drei der beliebtesten Zelda Titel: Ocarina Of Time (N64), Twilight Princess (GC / Wii) und Skyward Sword (Wii). Am 16. Oktober folgt dann das erste von vier kostenpflichtigen DLC Paketen, welche zusammen im eShop humane 14,99 Euro kosten. Hinter dem Titel “Master Quest Paket” verstecken sich neue Waffen, Szenarios, Adventure-Maps und zwei Kostüme aus Ocarina Of Time. Ein gratis DLC mit drei spielbaren Antagonisten erscheint zeitgleich. Im November folgt dann ein Twilight Princess Paket mit ähnlichen Inhalten und einem brandneuen Charakter. Besonders spannend wird es im Januar, wenn das erste Majoras Mask Paket erhältlich ist und unter anderem zwei neue Charaktere einführt. Skull Kid und Tingle, vielleicht? Abschließend erscheint dann im Februar das Boss Pack mit zwei neuen Spielmodi. Koei Tecmo und Nintendo planen also langfristigen Support für den Hyrule-Prügler.

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Fazit

Hyrule Warriors ist kein Zelda Spiel und auch definitiv nicht perfekt. So lässt die Grafik beispielsweise zu wünschen übrig, doch macht der Titel diese Defizite mit einem Meer an Inhalt, spaßigem Gameplay und jeder Menge Zelda Fan-Service wieder wett. Ihr mögt die Dynasty Warriors Spiele, habt Spaß an Hack & Slays oder wolltet euch immer schon einmal mit eurem liebsten Zelda Charakter durch Gegnerhorden schnetzeln? Dann ist Hyrule Warriors genau euer Ding! Auch Skeptiker (wie ich einer war) sollten dem Spiel ruhig einmal eine Chance geben und gleichzeitig die Zeit bis zum nächsten großen Wii U Release zu überbrücken.


Hyrule Warriors - [Wii U] (Nintendo Wii U) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 19. September 2014 EUR 19,80 bei Amazon.de (Partnerlink)


8
Würdig

Pros

  • Spaßiges Hack & Slay mit Strategie-Elementen
  • Gute Auswahl an Charakteren
  • Purer Zelda Fan-Service
  • Großer Umfang mit vielen freischaltbaren Inhalten

Kontras

  • Mittelmäßige Grafik
  • Zeitweise etwas unübersichtlich
  • Koop Modus mit Grafik & FPS Einbrüchen

Unser Fazit


Gamplay
9
Präsentation
7
Handlung & Umfang
8