Review: Bayonetta 1 (Wii U)

Am 24. Oktober 2014 erscheint mit Bayonetta 2 eines der langersehntesten Third Party Games und Exklusivspiele für Nintendos Wii U. Nachdem der Publisher des ersten Spiels, SEGA, kein Interesse an dem Franchise zeigte, übernahm Nintendo kurzerhand die Rolle des Geldgebers. Ein kluger Schachzug, denn seit der Ankündigung des zweiten Teils lechzen Anhänger der Konkurrenz dem Sequel hinterher.

Doch damit Nintendo Fans auch die Chance haben das erste Spiel zu genießen, gibt es außerdem eine Special Edition, die das Original in einer neuen Auflage für Nintendos Konsole enthält. Wir haben Bayonetta 1 für Wii U durchgezockt und dürfen euch nun verraten, was wir von Bayonettas Debut auf der Konsole halten. Im Oktober folgt dann auch die Rezension zu Bayonetta 2. Viel Spaß beim Lesen.

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Von Hexen und Engeln – oder so

Beginnen wir mit dem schwierigen Teil: Der Story. Diese hatte ich in etwa neuen Stunden abgeschlossen und obwohl ich keine Cutscene übersprungen und mir dabei größte Mühe gegeben habe, dem Handlungsfaden zu folgen, bleiben nach dem Abspann doch mindestens so viele offene Fragen wie Antworten. Ich habe ein paar andere Spieler gefragt, die den Titel schon vor einiger Zeit auf PS3 / Xbox 360 gespielt haben, aber auch diese hatten nicht wirklich einen guten Überblick über die super-schräge Himmel-Hölle Handlung des Spiels. Nichtsdestotrotz, ich gebe mein bestes um euch einen kleinen Einblick zu verschaffen.

Zu Beginn des Spiels ist die Umbra-Hexe und Protagonistin Bayonetta auf der Suche nach ihren Erinnerungen, die sie verloren hat. Sie erfährt von einer Person die das “rechte Auge” besitzt. Zusammen mit dem “linken Auge” soll es die Augen der Welt ergeben. Bayonetta macht sich auf die Suche nach dem Besitzer des rechten Auges, in der Hoffnung mit dem Objekt etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren. Ihr Weg führt sie nach Vigrid, wo sie eine andere Hexe namens Jeanne trifft, die sich scheinbar auf die Seite der Engel aus “Paradiso” geschlagen hat, welche versuchen den allmächtigen Schöpfer “Jubileus” wieder zum Leben erwecken. Bayonetta wird nun mit der vollen Macht der Engel konfrontiert und trifft zu allem Überdruss kurz darauf noch auf ein kleines Mädchen namens Cereza, welche behauptet ihre Tochter zu sein.

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Seid ihr noch dabei? Gut. Viel mehr möchte ich auch an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn so hinverbrannt wie die Story des Spiels auch ist, ist sie doch größtenteils durch ihre absolut übertriebene Darstellung ziemlich unterhaltsam. Wem würde es nicht gefallen, Engel in die eisnere Jungfrau zu hämmern und im nächsten Moment einen riesigen Boss mit einem Drachen, geformt aus Bayonettas Haaren, zu zermahlen? Wie wäre es im Anschluss mit einem Ritt auf einer Rakete, einer kleinen Zeitreise oder eine Biker-Tour mit der Höllenmaschine über die Route 666? Das und vieles mehr bietet euch Bayonetta im Laufe der Story, während ihr meistens damit beschäftigt seid, Horden von Engeln in zu Kleinholz zu verarbeiten.

Wirklich überzeugen konnte mich die Handlung des Spiels jedoch nicht. In erster Linie liegt dies daran, dass der Verlust des roten Fadens (was wohl jedem Spieler früher oder später passiert) dazu führt, dass die Geschichte eine zunehmend nervige Ablenkung von dem sehr guten Hack & Slay Gameplay des Titels wird. Dieses Problem wird noch einmal dadurch verstärkt, dass die Anzahl an Cutscenes und Story-Abschnitten einfach zu groß ist. In manchen Leveln wird man regelrecht aus dem Fluss des Gameplays gerissen, nur um einen weiteren seltsamen Dialog zu hören zu bekommen oder nervige Quicktime-Events zu absolvieren. Apropos Quicktime-Events: Diese sind für meinen Geschmack ebenfalls viel zu schnell verloren, selbst im Easy Mode. Manchmal braucht man eben eine gute Sekunde, bis man die richtige Tastenkombination auf dem GamePad gedrückt hat.

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Sexy. Übertrieben. Verrückt. Brutal.

Doch das soll hier kein Verriss sein. Ich hatte durchaus eine Menge Spaß mit Bayonetta, auch wenn die Story chaotisch ist. Die Charaktere, welche man im Laufe der Handlung kennenlernt – insbesondere die Hexe Bayonetta selbst – sind wirklich cool portraitiert und haben einen einzigartigen Charme. Kein anderer Videospielcharakter ist so schräg, sexy und gnadenlos zugleich wie Bayonetta. Platinum Games ist es gelungen den Charakter in den Cutscenes sehr gut zur Geltung zu bringen und nutzen dazu clevere Kameraperspektiven und Dialoge.

Das Gameplay ist inspiriert von Director Hideki Kamiyas vergangenen Werken, insbesondere Devil May Cry. Einzuordnen wäre es wohl in das Genre des Hack & Slay, obwohl das Spiel hier gelegentliche auch kleine Abstecher wagt. Doch dazu gleich mehr. Die Level in Bayonetta sind recht linear aufgebaut und regelmäßig mit Cutscenes untermalt. Zwischen diesen prügelt ihr euch durch die Engelhorden mit unterschiedlichen Angriffs-Kombos, die zwar zahlreich aber nicht sonderlich schwer auszuführen sind. Bayonetta kämpft in der Luft, zu Boden, mit Tritten und Schusswaffen. Im Verlauf des Spiels kann sich der Spieler zusätzliche Waffenarten und Kombos kaufen, die das Gameplay interessant und abwechslungsreich halten. Tatsächlich ist Bayonetta für mich das bisher unterhaltsamste Spiel des Genres – sonderlich gut unterrichtet bin ich hier allerdings aber auch nicht.

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Die Gegnertypen sind zahlreich und kreativ. Mit kleinen fliegenden Köpfen bis hin zu gigantischen drachenartigen Engeln bekommt es die Hexe zutun und fast jeder der Gegner hat seine Besonderheiten. So gibt es beispielsweise zu vielen Gegnern eigene “Climax” Angriffe, welche ihr aktivieren könnt, sobald sich der Engel dem Tod nähert. Diese sind das Highlight des Gameplay und werden von Cutscenes begleitet, in denen Bayonetta ihre Haare in Waffen verwandelt und die Kontrahenten auf brutale Art und Weise in die Hölle schickt. Eiserne Jungfrau, Guillotine, Dämonendrachen und zermatschende Riesenhände. Der Humor ist zeitweise wirklich makaber, fügt sich aber perfekt in den Ton des Spiels ein und neben dem durchdachten Hack & Slay Gameplay das Highlight des Spiels.

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Doch es gibt auch kleinere Probleme, die besonders bei den bereits erwähnten “Genre-Abstechern” auffallen. So gibt es schräge Level in denen das Kernspiel auf den Kopf gestellt wird und ihr auf einmal auf einem Motorrad fahrt, auf einem Wrackteil durch Wellen reitet oder im Arcade-Style auf einer Rakete reitet. An und für sich keine schlechte Idee und eine nette Abwechslung, doch lässt die Umsetzung zeitweise wirklich zu wünschen übrig. Die Steuerung, egal ob mit GamePad oder Pro Controller wirkt bei diesen Level aufgesetzt und unausgereift. Das hat natürlich negativen Einfluss auf den Spielspaß, wie auch die Kamerasteuerung in vielen Leveln. Letztere hat mich gerade beim finalen Bosskampf schon einige Nerven gekostet und ich musste ein paar Mal laut fluchen.

Alles in allem bietet Platinum Games dem Spieler jedoch ein paar gute Steuerungsvarianten. Egal ob brandneue Wii U Touchscreen Steuerung (einfach zu handhaben, gut für Casuals) oder das klassische Controller Setup mit Wii  U GamePad oder Pro Controller, Bayonetta spielt sich meistens sehr gut. Doch die Touchscreen Steuerung ist nicht die einzige Wii U exklusive Neuerung.

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Sexy Nintendo Outfits

So hat Platinum dem Spiel in Absprache mit Hideki Kamiya vier neue Kostüme spendiert, die sich allesamt an Nintendo Charakteren orientieren und sogar das Spiel beeinflussen. Spielt ihr als Bayonetta im Link Kostüm wird beispielsweise die Währung in Rubine verwandelt und ihr hört regelmäßig markante Zelda Sounds im Spiel. Das Samus Kostüm wiederum kommt mit einem Blaster am rechten Arm und ermöglicht es euch, den Helmvisor jederzeit mithilfe der “Unten”-Taste auf dem Steuerkreuz auf- und zuzuklappen. Selbst in Cutscenes! Auch Peach und Daisy Kostüme sind vertreten, welche im Pin Up Look daherkommen und die Macht von Bowser beschwören können. Außerdem wird die Währung in Mario Münzen mit entsprechenden Soundeffekten geändert. Eine richtig coole Sache, zumal alle Kostüme wirklich gut modelliert sind und erstaunliche Details zeigen. Dickes Lob für den Fan Service!

Apropos Details – bevor wir zum Fazit kommen möchte ich noch ein paar Worte zum Soundtrack und der Grafik verlieren. Das Spiel läuft mit flüssigen 60fps bei 720p und hat im meinem Durchlauf kein einziges Mal spürbare Einbrüche in der Bildrate gezeigt. Der Wii U Port basiert glücklicherweise auf der Xbox 360 Version, die im Gegensatz zur PS3 Fassung immer ruckelfrei lief. Grafisch kann sich Bayonetta durchaus noch sehen lassen, obwohl man an Texturen und Cutscenes das Alter des Spiels schnell bemerkt. Dennoch, ist die Optik meiner Meinung nach absolut in Ordnung und auch der Soundtrack weiß zu überzeugen. Neben den epischen Klängen von Composer Hiroshi Yamaguchi, enthält das Spiel außerdem mehrere J-Pop Songs, die den Titel noch schräger wirken lassen.

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Fazit

Bayonetta konnte zum ursprünglichen Release des Spiels im Jahr 2009, schnell eine ganze Fangemeinde um sich scharen. Verständlich, denn die Hexe betört den Spieler mit ihrem einzigartigem Charme, der überspitzen Darstellung von Ereignissen und Gewalt, sowie einem unterhaltsamen Hack & Slay Gameplay. Zwar ist die Story ziemlich unverständlich und verrückt gestaltet, doch wird das Spiel zu keinem Zeitpunkt langweilig. Hinzu kommt, dass das Spiel auf der Wii U wirklich super läuft und Nintendo Fans mit sehr coolen Bonus-Kostümen aus dem Nintendo Universum lockt. Bayonetta 1 liegt der Special Edition des Sequels bei und sowohl Veteranen, als auch Neulingen rate ich hier zum Kauf dieser Fassung. Erlebt das Abenteuer noch einmal in neuem Gewand und erfrischt eure Erinnerungen, bevor ihr Hand an das langersehnte Sequel legt.


Bayonetta 2 - Special Edition [PEGI] (Nintendo Wii U) Publisher: Nintendo of Europe GmbH Erscheinungsdatum: 24. October 2014 EUR 63,98 bei Amazon.de (Partnerlink)


8
Verrückt Gut

Pros

  • Unterhaltsam überzogene Hack & Slay Action
  • Ultra-schräge, coole Charaktere
  • Abwechslungsreiches Leveldesign
  • Nintendo Kostüme

Kontras

  • Kamera & Steuerung manchmal problematisch
  • Gelegentlich zu viele Cutscenes
  • Eine Story die niemand so richtig versteht

Unser Fazit


Gameplay
8
Präsentation
8
Story & Umfang
8