Review: Lucy

Am 14. August kommt mit Lucy der neue Film von Luc Besson, dem Spezialisten für starke Frauenfiguren, ins Kino. Kann Lucy an Nikita oder Das Fünfte Element heranreichen? Nein. Lohnt sich der Gang ins Kino? Hmmm … kommt darauf an, wen man fragt. Sind wir hier sonst meistens einer Meinung, so konnten wir uns diesmal auf kaum etwas einigen. Eigentlich nur darauf, dass die Anfangssequenz, Morgan Freeman und die Musik sehr gut sind und das wer Scarlett Johansson mag, hier definitiv was für sein Geld geboten bekommt.

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Das Problem fängt schon bei der Grundidee des Filmes an: der durchschnittliche Mensch nutze nur 10% seiner Gehirnkapazitäten. Was würde passieren, wenn man 100% nutzt? Besson setzt das so um: Lucy (Scarlett Johansson) gerät unfreiwillig in die Hände eines asiatischen Drogenbosses. Gegen ihren Willen wird ihr ein Päckchen mit einer neuartigen Droge in den Unterleib eingenäht, dass sie so aus dem Land schmuggeln soll. Lucy kann sich nicht wehren, doch dann geht etwas schief: das Päckchen platzt und die Droge gelangt in ihren Blutkreislauf. Lucy beginnt ihre Gehirnkapazität immer mehr zu nutzen und wird nicht nur klüger, sondern auch gefährlicher.

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Das klingt nach Nonsense, aber ist eben auch unterhaltsam. Allerdings nicht, wenn es einen stört, dass eben diese Grundthese so nicht stimmt und einen ganz faden Beigeschmack hat. Scientology nämlich pflegte damit das leichtgläublige Volk zu ködern und druckte zur Authentizierung gleich noch Einsteins Bild mit auf den Flyer. Der Mensch nutze zwar nur 10 Prozent, aber man könne mit Kursen helfen, das zu steigern. Teuren Kursen. Die es übrigens auch von anderen Anbietern gab. Dann gibt es diverse Diskussionen, was denn mit 10% genau gemeint sei, denn der Mensch nutzt alle Bereiche des Gehirns und nicht nur 10% und selbst bei den einzelnen Hirnregionen schwankt die Nutzung. Es ist besonders ärgerlich, dass Besson den urbanen Mythos der 10% so auswalzt, obwohl er sich nicht nur mit dem Thema intensiv beschäftigte, sondern auch noch einen Neurologen als Berater zur Hand hatte.

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Lucy fängt extrem spannend an und ist anfangs auch sehr gut umgesetzt, aber anstatt einen richtig spannenden, reinen Action-Thriller zu machen, kommen Pseudo-Doku und Sci-Fi Elemente dazu. Das funktioniert nicht für jeden, besonders nicht, wenn einem der reine Anblick Scarlett Johanssons nicht reicht. So wurden, wie eine kurze Umfrage unter unseren Mitsehern herausstellte, einige Szenen als schlichtweg eklig bezeichnet, die anderen gar nicht als solche auffielen, weil ihr Outfit eher körperbetont ausfiel. Worauf sich fast alle einigen konnten war, dass das Ende schwach ist. Wer übrigens darauf hofft, dass sich Lucy durch die Gegend prügelt, der sollte direkt mal seine Erwartungshaltung runterschrauben. Die Frage ob Lucy eine starke Frauenfigur ist, dürfte auch für Diskussionsbedarf sorgen und wird vorerst mit einem diplomatischen: zumindest nicht Bessons stärkste, beantwortet.

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Fazit

Lucy zu bewerten fällt wirklich nicht einfach. Die Versuchung ist groß einfach zu empfehlen, sich die Avengers anzuschauen, denn dort können die einen Scarlett im engen Outfit sehen und die anderen sich am Film erfreuen, aber so einfach machen wir es uns hier natürlich nicht. Also: ein absoluter Tipp für Fans der Johansson und ein Tipp für Besson Fans, die kein Problem mit der Grundidee haben, Logik nicht im Kino erwarten und großzügig über einen nur teils gelungenen Genremix hinwegsehen können. Alle anderen sollten Lucy vielleicht einfach aussetzen.

Die Punktebewertung ist diesmal übrigens ein Konsensergebnis und ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht immer nur nach den Punkten, Sternchen oder sonstigen Bildbewertungen gehen sollte.

Filmlänge: 89 min, FSK: ab 12 Jahren

5
Scarlett

Pros

  • Viel Scarlett Johansson
  • Starke Anfangssequenz
  • Gute Musik

Kontras

  • Suboptimale Syncro
  • Veraltete & fragwürdige Grundidee
  • Ekelfaktor

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
5