Review: Hercules

Die gute Nachricht Teil I: Es gibt schlechtere Filme als Hercules. Die gute Nachricht Teil II: Es gibt eine Menge bessere Filme. Am 4. September läuft mit Hercules einer dieser Sommerfilme an, bei denen man das unter der Hitze leidende Gehirn an der Garderobe für 98 Minuten abgeben, und sich an Prügeleien, (teils unfreiwillig) komischen Dialogen und historisch bedenklichen Kostümen mehr oder weniger erfreuen kann. Wer etwas anderes erwartet hat, der hat die Ankündigung auf dem Plakat nicht gelesen: Dwayne Johnson spielt die antike Legende unter der Regie von Brett Ratner (Rush Hour, Red Dragon und X-Men: Der letzte Widerstand).

HERCULES
Der Mann, der Halbgott, die Legende – Brett Ratners Interpretation zeigt Hercules als Söldner, der mit einer kleinen Truppe von Außenseitern durch das Land zieht und geschickt seinen Ruhm in Bares umwandelt – denn im wahrsten Sinn des Wortes ist hier nur Bares Wahres. Als König Cotys (John Hurt) von Thrakien sie anheuert, um das Land von dem grausamen Centaur Rhesus (Tobias Santelmann) und seinen Mannen zu befreien, scheint es ein Job wie jeder andere zu sein. Doch dann muss sich Hercules der Frage stellen, was er wirklich ist – ein Söldner oder ein Held?

HERCULES
Hercules hat durchaus unterhaltende und amüsanten Momente, was allerdings weniger dem grauenvollen Drehbuch oder der durchschnittlichen Regie, als der Besetzung zu verdanken ist. Ian McShane als Wahrsager Amphiaraus holt das Beste aus der Rolle heraus, Ingrid Bolsø Berdal steht als Amazone Atalanta in Sachen Pfeil und Bogen Legolas in nichts nach und erträgt ihr albernes Kostüm mit stoischer Gelassenheit, John Hurt ist auf seine gewohnt souveräne Art und Weise ein wirklich fieser Typ und Aksel Hennie ist als der stumme Tydeus, dem einzigen Überlebenden der Schlacht um Theben, berührend. Mit einem Blick erreicht Hennie etwas, dass Johnson als Hercules verwehrt bleibt. Nicht etwa, weil er es nicht könnte, sondern weil die Rolle zu schlecht geschrieben ist. Es reicht eben nicht, ein zweifelnder Held mit einem tragischen Ereignis in seiner Vergangenheit zu sein, das gab es einfach schon zu oft.

HERCULES
Wenig glücklich ist auch das over-acting von Joseph Fiennes als König Eurystheus, Reece Ritchie nervt als Geschichtenerzähler Iolaus und Rebecca Ferguson kann an ihrer Rolle als Heilerin, besorgter Mutter und Tochter des Cotys auch nichts mehr retten. Dass während der Pressevorführung überhört werden konnte, wie jemand empört kommentierte, die Landschaft sähe aus wie eine gemalte Pappkulisse, erklärt warum hier auch keine Lobgesänge auf die visuellen Effekte oder Drehorte angestimmt werden.

HERCULES
Man möchte Dwayne Johnson zuliebe nur positives über Hercules sagen, denn zum einen “rock-t” er das Lendenschürzchen und zum anderen er spielt mit sichtbarer Begeisterung und Hingabe den Halbgott mit den Selbstzweifeln. Man kann nur hoffen, dass die Drehbuchautoren Ryan Condal und Evan Spiliotopoulos sich wenigstens ein bisschen dafür schämen,  ihm nichts Besseres serviert zu haben. Immerhin gibt es einen running gag der ganz nett ist, aber aus spoilertechnischen Gründen nicht erwähnt werden kann.

HERCULES

Fazit

Alles in allem bietet Hercules Action-Unterhaltung, die gut gemeint, aber nicht so gut ausgeführt ist. Wenn man idealerweise seine Erwartungen in arktische Regionen herunterschraubt, dann wird man sogar Spaß haben. Hercules will im Grunde ja auch nicht mehr als unterhalten – aber, das hat man halt auch schon öfter viel besser gesehen. Den Aufpreis für das 3D sollte man sich aber wirklich sparen. Hercules ist Geschmackssache: für die einen sommerlich leichte Haudrauf-Kost, für die anderen eine Variation der ellenlangen Fahrt in den Urlaub, nur das man hier im Kinosessel statt auf der Rückbank fragt:  „Wann ist der endlich fertig?“

5
bemüht

Pros

  • Dwayne Johnson gibt alles
  • Cleverer running gag
  • Punktuell witzig

Kontras

  • Mieses Drehbuch & langweilige Story
  • So-so Effekte
  • Vorhersehbar & bemüht

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
5