Review: Wacken 3D – Der Film

Eine Woche bevor das W:O:A (Wacken Open Air) zum 25. Mal Heavy Metal Fans aus der ganzen Welt nach Schleswig-Holstein lockt, läuft am 24. Juli Wacken 3D – Der Film im Kino an. Ein Einstimmungsfilm für die Fans auf das Festival und/oder ein Einstiegsfilm für nicht-Headbanger? Ein ganz klares: Jain! Übrigens, während die meisten Journalisten mit Abwesenheit beim Screening glänzten, war BluGadgets natürlich dabei, schließlich wollen die ja nur (laute Gitarren) spielen.

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Das Ziel von Regisseur Norbert Heitker und Produzent Thomas Erhart war, einen Festivalfilm zu drehen, bei dem der Zuschauer mittendrin im Geschehen ist – auf der Wiese, als einer von 75.000, und auf der Bühne, bei der Band. Das W:O:A bot sich dafür geradezu an. Es ist das größte Heavy Metal Festival der Welt, mit stets namhaften Headlinern und einem treuen Publikum, das quasi blind die Tickets schon ein Jahr im Voraus kauft. Die Karten für 2014 waren innerhalb von 48 Stunden ausverkauft. Dazu gilt das Festival als extrem sicher und friedlich. Wer einmal nach Wacken kommt, der kommt wieder.

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Als reiner Stimmungsfilm ist Wacken 3D sehr unterhaltsam, man bekommt Auftritte von Bands wie Anthrax (I am the Law), Motörhead (Over the Top), Anvil (Metal on Metal), Annihilator (King of the Hill), Sabaton (The Art of War) und Trivium (In Waves) zu sehen, schräge, aber sympathische Nachwuchsbands wie Nine Treasures aus der Mongolei oder GOD – The Barbarian Horde aus Rumänien, und Fans aus aller Welt, wie Cielu Wang aus Taiwan, die ihrer Mutter erzählte, sie gehe auf eine Geschäftsreise, oder ein deutsches Vater-Sohn-Duo. Künstler wie Alice Cooper, Scott Ian (Anthrax) und Henry Rollins erzählen ebenso davon, was ihnen Metal und das Festival bedeuten, wie Fans aus den USA oder Indien. Dazu gibt es haufenweise Eindrücke vom Erlebnis abseits der Bühne, darunter Aufnahmen aus dem Wackener Schwimmbad, wo gut gelaunte Fans in Badehose auch mal eine Polonaise um einen Springbrunnen machen.

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„Wacken lasst sich mit normalen Worten eigentlich nicht beschreiben.“ Sagt Erhart und irrt. Natürlich ist es immer schwer, den emotionalen Wert eines Erlebnisses in Worte zu fassen, aber was man machen kann, ist ein paar Fakten zusammenzutragen, wie viel Strom wird verbraucht, wie viele Sattelzüge benötigt, wie viele Beteiligte, wie viele Toiletten usw. Das nimmt nicht viel Zeit weg, aber gibt gerade den Unbeteiligten einen guten Eindruck. Apropos in Worte fassen, ebenfalls vor die Kamera – und zwar oft – kommt Henry Rollins, seines Zeichens kein Metaller. Der eloquente Musiker, früher Sänger der Punk-Band Black Flag, heute hauptsächlich Spoken Word Künstler, wurde von Erhart ausgewählt, weil Zitat: „Jede Antwort von ihm ist ein Gedicht.“ Womit wir bei den Schwächen des Films wären.

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Wacken 3D ist nicht nur ein Film für Fans, sondern auch für die, die normalerweise nichts mit Heavy Metal am Hut haben. An sich eine lobenswerte Idee, aber das Ergebnis ist ein suboptimaler Mix. Es sind nicht nur Rollins poetische Anfälle, von denen irgendwie nichts hängenbleibt, es ist auch die Musikauswahl. Man sollte meinen, dass man da nichts falsch machen kann, aber zum einen werden einige der Lieder nur angespielt und zum anderen wurden auch welche ausgesucht, die inzwischen vom Durchschnittshörer schon gar nicht mehr als Metal wahrgenommen werden wie Deep Purple’s Smoke on the Water und Alice Cooper’s School’s Out. In der Theorie eine nette Idee, vonwegen Metal ist doch gar nicht so schlimm, aber in der Praxis fragt man sich schon, warum es denn schon wieder diese Lieder seien müssen. Man sollte bei der Gelegenheit erwähnen, dass Wacken 3D vom ZDF und arte mitproduziert wurde.

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Was Wacken 3D wirklich gelungen ist, ist zu zeigen, was die Künstler, sowohl Nachwuchsbands auf der kleinen, wie die Headliner auf der großen Black Stage sehen, wenn sie auf der Bühne stehen. Der beeindruckendste Auftritt ist der von Rammstein, wenn einfach alle den kompletten Text zu Du Hast mitsingen. Hier hat bekommt man vielleicht am eindringlichsten einen Eindruck von der Größe des Festivals. Auch fängt der Film die Atmosphäre sehr schön ein und wenn Cielu aus Taiwan den Zeltnachbar fragt, wie lange denn seine Anfahrt gewesen sei und er antwortet: “7 hours wiz ze train. Wiz ze Bummeltrain.”, dann hat das was.

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Fazit

Man kann es nicht immer allen Recht machen und vielleicht sollte man das auch gar nicht erst versuchen. Etwas mehr Musik und dafür etwas weniger Interviews, besonders von Rollins, wären für den Fan sicherlich nicht schlecht gewesen. Für Wacken-Neulinge wären außerdem ein paar Infos zum drum und dran schön gewesen. Alles in allem ist es ein unterhaltsamer, aber kein großartiger Film.

FSK: ab 6 Jahre, Laufzeit: 96 min

6.5
okay

Pros

  • Fängt Atmosphäre schön ein
  • Unterhaltsam

Kontras

  • Zu konservative Musikauswahl
  • Kaum Hintergrundinfos
  • Teilweise uninteressante Interviews

Unser Fazit


Musik
6
Präsentation
7