Review: Finding Vivian Maier

Mit Finding Vivian Maier kommt am 26. Juni einer der seit langem spannendsten und besterzählten Filme ins Kino. Das Besondere: es ist eine Dokumentation über eine zu ihren Lebzeiten unbekannte Fotografin, ihr Werk und ihre posthume Entdeckung.

finding-vivian-maier-szenenbild_032007 ersteigert John Maloof in einem Chicagoer Auktionshaus eine Kiste voller Negative, in der Hoffnung, Bildmaterial für sein Buch, das er für die historische Gesellschaft Chicagos über ein Stadtviertel schreibt, zu finden. Es ist nichts Passendes dabei und die Bilder landen erst einmal im Schrank. Als das Buch fertig ist, holt Maloof die Kiste wieder raus und ihm wird klar, dass er auf etwas Besonderes gestoßen ist. Er kontaktiert das Auktionshaus und kauft alles, was er von Vivian Maiers Nachlass finden kann, auf. Zusammen kommt nicht nur ein unglaubliches, künstlerisches Vermächtnis, es beginnt sich auch ein Bild von Vivian Maier selbst heraus zu kristallisieren.

John Maloof, der inzwischen die Maloof Collection leitet und geschätzte 90 Prozent von Vivian Maiers Gesamtwerk besitzt, darunter ca. 150.000 Negative, erzählt in seinem Film zwei Geschichten. Die seiner Suche nach der Frau hinter der Kamera und die von Vivian Maier (*1926 † 2009), einer verschlossenen Frau, die als Nanny arbeitete, abertausende von Fotos schoss und die völlig unbekannt verstarb. Maloof zeigt viele von Maiers Bildern  und es spricht für ihre enorme Qualität, dass die schwarz-weißen Straßenfotografien auch im Film nicht an Intensität verlieren. Gilt Maier heute als eine der bedeutendsten Streetphotographer der 50er & 60er Jahre, so konnte man noch 2009 nichts weiter als ihren Nachruf im Internet finden.finding-vivian-maier-szenenbild_01

Finding Vivian Maier ist ein besonderer Film, über den man gleichzeitig seitenweise Lobeshymnen schreiben möchte, andererseits aber so wenig wie möglich darüber sagen will, damit niemandem das Erlebnis und das Staunen im Kino genommen wird. Das Leben, so sagt man gern, schreibt die interessantesten Geschichten. Selten aber werden sie so respektvoll, einfühlsam und spannend erzählt, wie es das John Maloof und Charlie Siskel hier machen. Dank erhaltener Tonaufnahmen kommen übrigens nicht nur ehemalige Arbeitgeber und Schützlinge, sondern auch Vivian Maier selbst zu Wort.

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Fazit

Kein Blockbuster, keine berühmten Schauspieler, kein gigantisches Marketingbudget, „nur“ eine Dokumentation die einfach sensationell ist und viel verdient, aber nicht im Programmkino als Kunst abgetan zu verstauben. Vivian Mayer hätte die Aufmerksamkeit vermutlich nicht genossen, aber ihre Bilder und dieser Film verdienen sie. Wer einen richtig gut erzählten Film sehen will, der sollte Finding Vivian Maier eine Chance geben.

Finding Vivian Maier (USA, 2014); OT: Finding Vivian Maier; Filmlänge: 84 min; Regisseur: John Maloof & Charlie Siskel; FSK: o.A.; Kinostart: 26. Juni 2014 (Deutschland).

9
Grandios

Pros

  • Spannend erzählt
  • Respektvoll statt sensationsheischend
  • Perfekte Auswahl & Einbindung ihrer Fotografien

Kontras

  • Ihre letzten Jahre werden für manche vielleicht zu kurz abgehandelt

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9