Review: Tomodachi Life (3DS)

Mit Tomodachi Life veröffentlicht Nintendo am heutigen Freitag eines der schrägsten Spiele, die der japanische Videospielgigant jemals in Europa auf den Markt gebracht hat. Die Mii-Lebenssimulation bietet 3DS Besitzer ein weiteres Spiel mit hohem Suchtfaktor und das fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des absolut genialen Animal Crossing: New Leaf. Ich hatte bereits die Chance einige Stunden in das Spiel zu stecken und darf euch nun verraten, ob sich der Kauf von Tomodachi Life auch wirklich lohnt.

Spielt Inselgott!

In Tomodachi Life übernehmt ihr die Kontrolle über eure eigene Insel, auf der Miis hausen, miteinander interagieren und ihrem seltsamen Alltag nachgehen. Obwohl ihr nicht wirklich als ein solcher dargestellt werdet, spielt ihr in Tomodachi Life jedoch praktisch einen Gott. Zu Beginn des Spiels ist die Insel noch recht spärlich bebaut, da ihr viele Features und Attraktionen erst im Verlauf der nächsten Spielstunden freischaltet. Zuerst lasst ihr ein paar Miis auf eure Insel einziehen. Dazu könnt ihr wahlweise bestehende Miis aus dem Mii-Maker importieren oder gänzlich neue Charaktere mit altbekannten Mii-Tools direkt im Spiel erstellen. Das besondere an Tomodachi Life ist jedoch, dass ihr den Miis außerdem eine eigene Persönlichkeit verpasst.

Dazu füttert ihr das Spiel mit ein paar grundlegenden Infos zum Charakter des Miis: Handlungsweise, Ausdrucksweise, Lebhaftigkeit, Denkweise und das allgemeine Auftreten dienen Tomodachi Life als Grundlage für die Persönlichkeitsberechnung. Das Spiel gibt euch im Anschluss eine kleine Übersicht über die generierte Persönlichkeit, damit ihr den Charakter besser einschätzen könnt. Besonders cool ist die Möglichkeit einem jedem Mii eine ganz persönliche Stimme zu geben. Dazu könnt ihr mit der Aussprache, Stimmlage und weiteren Parametern spielen. Nintendo hat sehr viel Zeit investiert, dass Sprachsystem des Spiels für den Westen anzupassen und das Endergebnis ist wirklich (schräg-) gut geworden. Gerade die Aussprache der Worte gelingt dem Spiel richtig gut, obwohl die Stimmen der Miis immer nach einem quietschigen Autotune-Sprecher klingen. Das ist nichts wirklich negatives – es trägt sogar eher zum Charme und Unterhaltungsfaktor des Spiels bei.

Nachdem das Mii fertig ist, zieht es in ein Appartement im großen Wohnhaus der Insel ein. Dort beginnt ihr direkt euch um eure neuen Bewohner zu kümmern. Ihr kauft ihnen Essen, Kleidung, Hüte, eine neue Einrichtung – alle diese Dinge machen eure Einwohner glücklich und sie steigen im Level, was wiederum kleinen Belohnungen mit sich bringt. So könnt ihr wählen ob eure Miis bei einem Levelaufstieg eine z.B. neue Phrase oder einen Musikstil beibringen. Letzteres ermöglicht euch, kleine Autotune Lieder zu vorgegebenen Beats und Genre zu schreiben, welche eure Miis dann live in einem Club performen. Auch fordern euch Miis regelmäßig zu kleinen Minispielen auf und belohnen euch für eure Hilfe mit Geschenken. Doch euer Gefolge bei Laune zu halten, ist nur ein Aspekt des Spiels.

Das seltsame Leben der Miis

Auch untereinander interagieren eure Miis sehr viel. Sie freunden sich miteinander an, gehen miteinander aus, Grillen zusammen, gehen eine Beziehung ein, heiraten und können sogar Kinder bekommen. Auch wenn das jetzt erst einmal stark nach Sims klingt, sollte man im Hinterkopf behalten, dass Tomodachi Life trotzdem seinen ganz eigene Daseinberechtigung hat. Egal was im Spiel passiert – es bringt euch irgendwie zum Schmunzeln. Seien es die Mii-Nachrichten-Sendungen, welche mit skurillen Meldungen immer wieder für Lacher sorgen oder der Umstand, dass eines eurer Miis so lange gekitzelt werden möchte, bis es endlich niesen kann. Tomodachi Life ist so abgedreht, wie es ein Nintendo Spiel eben nur sein kann. Nicht selten fragt man sich, wie zur Hölle die Entwickler auf all diese Ideen gekommen sind. Habt ihr schon einmal in einem 8-Bit RPG, eine feuerspuckende Murmel mit ein paar Tritten ins Jenseits befördert? In Tomodachi Life ist so etwas vollkommen normal.

Letzteres bezieht sich übrigens auf “Tomodachi Quest”, eine von mehreren Aktivitäten, die nur zu bestimmten Zeiten des Tages stattfinden. In Tomodachi Quest ziehen eure Mii Charaktere im 8-Bit Look in den Kampf gegen Essen und Gegenstände aus dem Spiel. Das Spielprinzip dieses Mini-RPG ist super simpel, aber es macht Spaß. Manche der Aktivitäten laden auch einfach nur zum zurücklehnen und genießen ein. So zum Beispiel der “Battle-Rap”, bei dem sich eure Miis die schrägsten Rap Battles aller Zeiten liefern. Zum Glück lassen sich jederzeit mit den X / Y Knöpfen Screenshots schießen, denn solche Momente will man als Spieler einfach festhalten und mit seinen Freunden teilen. Gerade die Inszenierung mancher Spielszenen ist so lustig geworden, da mitten in die cartoonige Welt der Miis, gelegentlich einfach echte Bilder geworfen werden. Der Effekt ist dabei ähnlich wie bei Spongebob, wo es ebenfalls “reale” Elemente in der Cartoonwelt zu sehen gab.

 Animal Crossing vs. Tomodachi Life

Tomodachi Life bietet natürlich auch eine StreetPass Funktion, obwohl echte Online-Features nicht wirklich vorhanden sind. Zwar könnt ihr über das Internet zusätzliche Inhalte erhalten, doch für den direkten Austausch von Miis und Gegenständen, wird eine StreetPass Verbindung benötigt. Seid ihr einem anderen Spieler über den Weg gelaufen, so sollte sich dessen Mii in einem Zelt auf eurer Insel eingenistet haben. Das erinnert ein bisschen an eine abgespeckte Version der Multiplayer Features von Animal Crossing, oder? Damit kommen wir auch zum letzten Punkt meiner Rezension: Wie unterscheidet sich Tomodachi Life von anderen Spielen wie Animal Crossing und ist es den Kauf wert, wenn man Letzteres schon besitzt?

Auch wenn der Vergleich auf den ersten Blick recht nahe liegt, so unterscheiden sich Animal Crossing und Tomodachi Life doch stark. Während Animal Crossing in seinem aktuellen Ableger “New Leaf” mit einem gigantischen Umfang, einem unfassbar idyllischen Gameplay und einem sehr hohen Motivationsfaktor punkten kann, geht es um ein langfristiges Ziel: die eigene Stadt zu einem wunderbaren Ort zu entwickeln. Die Bewohner sind dabei verhältnismäßig nebensächlich und wechseln auch ziemlich oft. In Tomodachi Life ist das Gameplay kurzweiliger und schneller. Außerdem dreht es sich hier vielmehr um die Charaktere und deren kleine Leben, als nur das eigene. Statt ein Paradies aufzubauen, spielt ihr hier vielmehr Gott – eine helfende Hand im Leben von Vielen. Ich persönlich habe derzeit jede Menge Spaß mit Tomodachi Life, auch wenn es für mich kein Vergleich zu Animal Crossing ist, da ich mir nicht vorstellen kann, so viele Spielstunden in dieser Welt zu verbringen, wie ich in meine New Leaf Stadt gesteckt habe. Das Spielerlebnis ist einfach ein ganz anderes.

Fazit

Um den Reiz von Tomodachi Life zu verstehen, genügt es eigentlich schon, dass dazugehörige Nintendo Direct zu sehen. Die superschräge Lebenssimulation ist einzigartig und bietet dem Spieler eine Menge Unterhaltung, wenn auch nur für wenige Minuten am Tag. Das Spiel greift das Konzept der Miis so nützlich auf, wie kaum ein Titel zuvor und erweitert diese um eigene Persönlichkeiten und Stimmen. Wer ein unterhaltsames Spiel für die Zugfahrt zur Arbeit sucht, für den ist Tomodachi Life vielleicht genau das Richtige. Und wer auf japanischen Humor steht, der sollte einen Kauf wirklich in Betracht ziehen. Es ist einfach zu witzig.


Tomodachi Life - [Nintendo 3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo of Europe GmbH Erscheinungsdatum: 6. June 2014 EUR 32,85 bei Amazon.de (Partnerlink)


7.3
Unterhaltsam

Pros

  • Super lustiger Japan-Humor
  • Unterhaltsame Inszenierung
  • Motiviert zum täglichen Spiel

Kontras

  • Kurzweiliges Gameplay
  • Umfang könnte größer sein

Unser Fazit


Präsentation
7
Gameplay
8
Umfang
7