Review: Boyhood

Der Publikums- und Kritikerliebling der diesjährigen Berlinale Boyhood kommt am 5. Juni ins Kino. Gedreht über 12 Jahre hinweg mit denselben Hauptdarstellern ist die Coming of Age Geschichte ein Meisterwerk in vielerlei Hinsicht. Lohnt es sich ihn anzusehen? Ohne Zweifel. Aber muss man ihn gesehen haben? Nicht unbedingt.

Es ist die Geschichte eines relativ durchschnittlichen amerikanischen Jungen. Mason (Ellar Coltrane) ist sechs Jahre alt, lebt mit seiner älteren Schwester bei seiner Mutter (Patricia Arquette) und sieht seinen Vater (Ethan Hawke) am Wochenende. Mason wird älter, seine Frisuren und Interessen ändern sich, ebenso die Familienverhältnisse und der Wohnort, er geht auf die High School und schließlich aufs College. Das klingt weder besonders spannend, noch ist es das. Aber es ist erstaunlich fesselnd.

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Richard Linklater (Before Sunrise) gewann den Silbernen Bären für die Beste Regie bei der Berlinale 2014. Wäre es nach dem Publikum gegangen, dann hätte er auch den Hauptpreis für den besten Film bekommen. Das ein Film, der weder eine originelle Geschichte erzählt noch Spezialeffekte vorzuweisen hat, so einschlägt, liegt daran, dass Linklater drei Dinge richtig gemacht hat: 1. Er hat es geschafft, sein Projekt kompromisslos über 12 Jahre durchzuziehen – trotz aller logistischer Herausforderungen; 2. Regie und gerade Schnitt sind perfekt. Die Übergänge sind subtil und stets fließend, nie hakt es im Getriebe; und 3. Er hatte ein glückliches Händchen bei der Wahl seiner Schauspieler. Gerade Arquette und Hawke spielen hervorragend und schrecken nicht davor zurück, die Spuren, die die Zeit auf ihren Gesichtern hinterlassen hat, zu zeigen.

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Mit Boyhood hat Linklater bewiesen, dass man das Leben mit Hilfe des selbigen auf Film einfangen kann. Seine Figuren altern natürlich, ohne die Hilfe von Make-Up Künstlern, digitaler Nachbearbeitung oder gar unterschiedlicher Schauspieler. Vielleicht war es da nur folgerichtig, dass er für seine so in der Realität verankerten Figuren keine besondere Geschichte geschrieben hat. Erwachsen werden an sich, so will uns dieser Film in seiner unaufgeregten Art zeigen, ist ein kleines Wunder. Vielleicht ist Boyhood gerade deshalb ein Film für ein Publikum, dass schon (wenigstens ein bisschen) erwachsen ist.

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Fazit

Boyhood ist ein besonderer Film. In erster Linie natürlich aus technischer und logistischer Sicht, aber es ist auch ein Film, der zu mehr oder weniger profunden Gesprächen oder dem Nachdenken über Kindheit, das erwachsen werden und das Leben in seiner Vergänglichkeit einlädt. So etwas muss man mögen, ansonsten können einem die fast drei Stunden Laufzeit doch etwas lang werden.

Boyhood (USA, 2014); OT: Boyhood; Filmlänge: 164 min; FSK: ab 6 Jahren

7
Einzigartig

Pros

  • Echtes Altern durch 12 Jahre Drehzeit
  • Fesselnd
  • Arquette und Hawke in Bestform

Kontras

  • Etwas vorhersehbare Handlung
  • Zu offensichtlicher Soundtrack

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
10