Review: The Wolf Of Wall Street

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und schon sieht es so aus, als würde das Kinojahr 2014 schon besser werden als das Vorangehende. Mit Wolf Of Wall Street erscheint der brandneue Film von Altmeister Martin Scorsese in den deutschen Kinos. Der Film des 71-jährigen Regisseurs schlägt sich in den USA ganz ordentlich an den Kinokassen und stellt gleichzeitig einen neuen “Fuck”-Rekord auf. Insgesamt 506 Mal wird der Begriff, während der dreistündigen Biografie verwendet, ein Fakt der den Ton des Films schon etwas erahnen lässt.

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Geld, Sex, Drogen und noch mehr Geld

Basierend auf der wahren Geschichte des Börsenmaklers und Großbetrügers Jordan Belfort (Leonardo Di Caprio), erzählt The Wolf Of Wall Street seinen Werdegang zum Multimillionär und sein Leben im absoluten Exzess. Obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammt, dauert es nicht lange bis der kluge Jordan sich seinen Weg bis an die Wall Street erkämpft hat. Doch sein Umfeld entpuppt sich als extrem schlechter Einfluss und schnell folgt auf den Eifer die Gier des Erfolgs. Sein überdurchschnittliches Gehalt stellt den jungen Broker nicht länger zufrieden und so gründet er mit der Hilfe einiger Freunde, dass Unternehmen Stratton Oakmont.

Unter Jordans Führung scheffeln die Abzocker binnen kürzester Zeit Millionen, alles nur durch geschickten Verkauf von wertlosen Aktienpapieren an ahnungslose Anleger. Trunken vom Erfolg feiern die jungen Broker von Stratton Oakmont die krassesten Partys und verwandeln ihre Büros am helllichten Tage in ein Schauplatz für Orgien, Akoholexzesse und Drogenmissbrauch. Tage ohne Rausch gibt es nicht länger, doch schaffen es die Partytiere erstaunlicherweise dennoch, immer größere Summen einzusacken und ihre gute Organisation aufrecht zu halten. Es folgen noch mehr Nutten, noch mehr Kokain und ein erstes Zusammentreffen mit den Behörden, die Belfort und seinen Betrügern dicht auf den Fersen sind. Das Spiel beginnt!

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Martin Scorseses neuer Film war eine willkommene Überraschung für mich. In der Erwartung eines langen, sehr zähen Werkes, war ich sehr positiv überrascht, dass die erste Hälfte des Films wie im Fluge vergeht. Der Aufstieg von Jordan Belfort zum König der Wall Street ist mehr als unterhaltsam anzusehen, nicht zuletzt wegen den guten Schauspielkünsten von Leonardo Di Caprio und dem unwirklichen Charakter den er verkörpert. Der Zuschauer bekommt Einblicke in die dunkle Seite der Wall Street, wobei sich ein Großteil des Films mit dem Höhenflug und Fall von Belfort befasst.

Sein Leben am Limit stellt der Film fast schon zu gut dar, denn trotz beträchtlichen Schnitten für eine annehmbare Alterfreigabe in den USA, könnten viele Szenen des Films kaum freizügiger sein. Männliche Zuschauer dürfen sich hier auf sehr schöne “Ausblicke” freuen, die sie sonst nur von HBO Serien gewohnt sind. Selbst der konstante Drogenkonsum ist größtenteils unterhaltsam und humorvoll inszeniert, sodass gepaart mit durchdachten Dialogen keine Langeweile aufkommt. Zeitweise ist der Film einfach unglaublich, sowohl im guten, als auch im schlechten Sinn.

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So wirft die Inszenierung von Belforts Leben einige moralische Fragen auf, da wichtige Aspekte der Geschichte nur sehr sporadisch abgedeckt wurden – ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen. Auch merkt man dem Film gegen Ende seine Laufzeit an und so kam es mir während längeren gelegentlich Dialogen vor, als würde der Film gute fünf Stunden dauern. Die Handlung verliert außerdem zunehmend an Spannung und Raffinesse. Einige Szenen bewegen sich weiterhin erschreckend nah an der Ekelgrenze, sodass der Film vermutlich nichts für wirklich schwache Gemüter ist. Zu guter Letzt wären da noch ein paar stilistische Makel, wie etwa seltsame Blenden zwischen einzelnen Szenen. Scorseses letztes Werk Hugo konnte mich in diesem Punkt mehr beeindrucken.

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Fazit

Martin Scorsese serviert uns mit The Wolf Of Wall Street direkt zu Jahresanfang eine ganz schöne Granate. Die Geschichte des Börsen-Betrügers Jordan Belfort unterhält den Zuschauer unverschämt gut. Es erwarten euch drei Stunden mit durchdachten Dialogen, viel Haut, Sex, Geld und Drogen – eher ein Männerfilm also! Lediglich in der zweiten Hälfte des Films merkt man dem Streifen seine lange Laufzeit von gut drei Stunden allmählich an. Die Qualität der Handlung beginnt nachzulassen, obwohl ich nicht sagen kann, dass ich mich während des Films wirklich gelangweilt habe – im Gegenteil. Eine verrückte Millionärsgeschichte, die kein Blatt vor den Mund nimmt und einfach Spaß macht.

8
Verrückt Gut

Pros

  • Größtenteils sehr unterhaltsame Biografie mit viel Humor
  • Gute Performance von Di Caprio
  • Unzensierte Einblicke in einen wahnsinnigen Lebensstil

Kontras

  • Teilweise sehr langatmig mit knapp drei Stunden Laufzeit
  • Gelegentlich an der Ekelgrenze
  • Fragliche Filmmoral

Unser Fazit


Handlung
8
Humor
9
Präsentation
7