Review: Der Hobbit: Smaugs Einöde

Genau ein Jahr haben uns Peter Jackson und Warner Bros. warten lassen, doch nun ist die Zeit endlich gekommen. Am Donnerstag startet mit “Smaugs Einöde” (OT: “The Desolation of Smaug”) das nächste große Mittelerde-Abenteuer in den deutschen Kinosälen. Trotz den meinerseits hochgesteckten Erwartungen zum zweiten Teil der Hobbit Trilogie, ging ich vor wenigen Stunden mit offener Kinnlade und verträumten Blick aus der Pressevorführung. Ja, Smaugs Einöde ist als Einzelwerk betrachtet deutlich besser als sein Vorgänger. Überrascht? Dann solltet ihr euch definitiv durchlesen, was ich zum Film zu sagen habe. Viel Spaß!

THE HOBBIT: DESOLATION OF SMAUG

Von Orks, Spinnen, Bären und Drachen

Im Dezember des letzten Jahres lieferte Peter Jackson mit Eine Unerwartete Reise, den in Augen vieler Kritiker zähen Wiedereinstieg in die Welt von Mittelerde. Wir kehrten nach 13 Jahre zurück nach Mittelerde und reisten von Beutelsend bis ins tiefste Nebelgebirge. Eine Unerwartete Reise brachte uns tiefgehende Einblicke in die Motivation der einzelnen Charakter, den gefährlichen Weg nach Erebor zu einzuschlagen und die langersehnte Konfrontation zwischen Bilbo und Gollum – Rätsel in der Finsternis. Doch Leser des Buches wissen, hier beginnt der Spaß erst richtig! Smaugs Einöde knüpft nahezu nahtlos an den ersten Film an, lässt den Zuschauer jedoch direkt spüren, dass es diesmal deutlich ernster, actionlastiger und auf gänzlich neuem Territorium zur Sache geht.

Nachdem Bilbo, Gandalf und die dreizehn Zwerge mithilfe der Adler dem Hinterhalt von Ork-Anführer Azog entkommen sind, finden sie sich zu Beginn des zweiten Films auch weiterhin auf der Flucht. Es ereilt unerwartete Hilfe vom riesenhaften Gestaltenwandler Beorn, der den Gefährten Unterschlupf gewährt und ihnen hilft den Orks zu entkommen. Er ist der letzte seiner Rasse und vermag es sich in Windeseile in einen verdammt großen Bär zu verwandeln. Beorns Auftritt in Smaugs Einöde ist überraschend kurz und doch würde es mich wundern, wenn wir nicht mehr von ihm auf der Extended Edition oder im letzten Film zu sehen bekommen. Ausgestattet mit Proviant wagt sich die Gruppe bis zum Rande des Düsterwalds vor, wo sie sich vorzeitig von Gandalf trennen. Dieser sieht sich gezwungen dem Mysterium des Nekromanten in Dol Goldur nachzugehen.

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Gandalfs Nebengeschichte ist wie erwartet ziemlich düster, auch wenn wir in Smaugs Einöde erst einen kleinen Teil von dem gezeigt bekommen, was uns im finalen Film der Trilogie erwartet. An dieser Stelle gibt es übrigens auch ein Wiedersehen mit Radagast, dem die ausbreitende Dunkelheit ebenfalls große Sorgen bereitet. Derweil machen Bilbo und die Zwerge hypnotischen Düsterwald Bekanntschaft mit finsteren Riesenspinnen, die Arachnophobikern eine ordentliche Gänsehaut bereiten dürften. Krankra lässt grüßen. Spannende Szenen und sehr faszinierende Animationen – zwei Dinge die sich konstant durch die gesamten 161 Minuten in Mittelerde ziehen.

Ein weiteres Highlight ist das Zusammentreffen der Gruppe mit den Elben des Düsterwalds, welche entgegen den Elben aus Bruchtal, alles andere als gastfreundlich gegenüber Zwergen gestimmt sind. Angeführt von Thranduil (Lee Pace), dem kühlen König der Waldelben, entführt uns der Film in die hölzernen Hallen des abgelegenen Volkes. Ein sagenhafter Anblick, der nur von den goldgefüllten Hallen Erebors und den verwinkelten Gassen Seestadts übertroffen werden kann. Doch dazu später mehr.

THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG

Legolas Special-Fight Moves

Hier begegnen wir auch Legolas und Tauriel. Während Legolas den meisten aus der LotR-Trilogie bereits bekannt sein sollte, lernen wir mit Tauriel, gespielt von Evangeline Lilly,  einen komplett von Peter Jackson erfundenen Charakter kennen. Die hübsche Power-Elbin ist überraschend sympathisch und extrem tödlich, zu Ungunsten ihrer Gegner. Zusammen mit Legolas lässt sie über den Verlauf des Films so manchen Orkkopf durch die Lüfte segeln und sorgt für ein paar spektakuläre Stunts, wie man sie sonst nur von ihrem Weggefährten gewohnt ist. Der weibliche Neuzugang ist sehr willkommen, schafft Dynamik und bringt sogar – für die Ladies – eine kleine Romanze mit sich, die glücklicherweise jedoch eher unterhaltsam als kitschig ist.

Auf die Elben folgt eine der rasantesten Szenen des Films, in denen die Gruppe schwimmend in Weinfäßern, vor Azogs Orktruppen flieht. Zuschauer dürfen sich hier auf richtige gute und kreative Action aus der Feder Peter Jacksons freuen. Der letzte Halt vor dem einsamen Berg ist Seestadt, eine kleine, schwimmende Siedlung vor den Ruinen Dales. Wie schon der Goblin König im ersten Teil, gibt es auch hier einen schmierigen Herrscher (Stephen Fry) der sein Volk unterdrückt. Bard, gespielt von Luke Evans, ist der Gegenpol zur Oberschicht – Tolkiens Robin Hood sozusagen. Seestadt gehört zu meinen pesönlichen Lieblingsorten in Mittelerde und der grandiose Aufbau der Sets wie diesem, ist ein sehr gutes Beispiel für das Detailreichtum des Franchise.

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Smaug, der Atemberaubende

Das letzte Drittel des Films spielt in Erebor, dem verlorenen Zwergenreich am Fuße des einsamen Berges – und dem Höhepunkt des Films. Es folgt die Enthüllung auf das das Fandom seit Jahren wartet. Smaug zeigt sich erstmalig in voller Pracht und lässt Azog, die Orks und die Spinnen des Düsterwalds im Vergleich wie süße Ponys wirken. Es sind wahnsinnig beeindruckende Bilder: Der gigantische Drache erhebt aus seinen Bergen aus Gold – furchteinflößend, majestätisch, atemberaubend.

Mit der donnernden Stimme von Benedict Cumberbatch, ist die Kreatur das wohl beeindruckendste CGI-Werk des Jahres und lies meine Kinnlade für die nächsten 30 Minuten auf den Teppichboden sinken. Wer kann sollte sich den Film also unbedingt mit dem englischen Originalton ansehen! Für zusätzliche Spannung sorgt der fabelhafte Soundtrack von Howard Shore. Düstere Klänge und heroische Melodien dominieren das Klangbild diesmal. Das Faceoff zwischen Bilbo und Smaug ist einzigartig, obwohl es gewisse Parallelen zur Gollum-Konfrontation im ersten Film zeigt. Dennoch – mein Highlight des Jahres! Ganz, ganz großes Kino.

My armour is iron, my teeth are swords, my claws spears, my wings a hurricane!

Smaug

THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG

Adaption oder Inspiration?

Je mehr sich der Film dem Abspann nähert, desto mehr wird jedoch auch die Hobbit-Fanbase spalten. Peter Jackson nimmt sich zum Ende hin seine wohl verdienten Freiheiten und schreibt die Geschichte Tolkiens etwas um, sodass den Zuschauer noch mehr Action und Special-Effects erwarten. Nach diversen Kommentaren amerikanischer Kollegen hatte ich hier vorab schon schlimme Befürchtungen, jedoch ist der Ausgangspunkt vollkommen in Ordnung und knüpft wieder gut an die Originalhandlung an.

Da ich an dieser Stelle schon wieder viele Puristen nörgeln höre, sei noch einmal gesagt, dass die Welt von Mittelerde längst nicht mehr allein Tolkiens Werk ist. Mit all der Arbeit die Peter und sein Team in diese Welt gesteckt haben, sollte man selbst als Hardcore-Fan mittlerweile einen Auge zudrücken können. Der Abspann kommt übrigens unerwartet – ein Cliffhanger der besonders fiesen Sorte. So ziemlich jeder im Saal wäre am liebsten direkt sitzen bleiben und um das große Finale in “Hin und wieder zurück” zu sehen.

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Auch habe ich den Eindruck, dass die Trilogie vermutlich noch einmal besser als ein Gesamtwerk wirken wird, sobald der letzte Film im nächsten Dezember erscheint. Viele Elemente und Charakterwandel des ersten Films werden in Smaugs Einöde wieder aufgegriffen und zeigen erst jetzt ihre wahre Stärke. Ein Problem, dass nur sehr schwer zu umgehen ist, wenn das Kern-Quellmaterial so kompakt geschrieben ist wie Tolkiens “Der Hobbit”. Gute Beispiele wären hier Bilbo und Thorin, welche sich beide stark von den Charakteren unterscheiden, die wir im vergangen Jahr kennengelernt haben.

Bei meinem zweiten Kinobesuch hatte ich zudem die Chance, auch “Smaugs Einöde” in 48 Frames (HFR) 3D zu bestaunen. Wie auch schon beim ersten Film erfordert die neue Technik einige Minuten Gewöhnungszeit und lässt das Kino noch realer wirken. Gerade in 3D mit Shutter Brillen profitiert man als Zuschauer von der hohen Bildrate, die nicht nur das Auge schont, sondern auch viele Kampfszenen deutlich übersichtlicher macht. Weiterhin hat Jackson die Schärfe des RED-Kamera Bilds im zweiten Film deutlich gesenkt, sodass CGI-Elemente nicht mehr so künstlich wirken. HFR ist vermutlich immer noch eine Frage des Geschmacks – ich mag’s!

THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG

Fazit

Smaugs Einöde die spektakuläre Fortsetzung der Geschichte um Bilbo Beutlin, die sich die Fans erhofft haben. Der Film glänzt mit tollen Schauspielern, einer wundervollen Inszenierung und atemberaubenden Animationen. Film Zwei besitzt nicht nur einen sehr guten Spannungsbogen, sondern rundet auch die einführende Geschichte des zäheren ersten Teils sehr gut ab. Ein Höhepunkt folgt dem nächsten, bis der Zuschauer letztendlich mit dem atemberaubenden Anblick Smaugs entlohnt wird. Smaugs Einöde ist ein düsterer und in vieler Hinsicht auch besserer Film als sein Vorgänger, doch geht auf dem Weg der abenteuerliche, verspielte Unterton der neuen Filme nie ganz verloren. Ich kann es kaum Abwarten die Trilogie als Gesamtwerk zu betrachten.

Copyright-Hinweis:

© Warner Bros. Ent. All rights reserved

The Hobbit: The Desolation of Smaug and The Hobbit, and the names of the characters, events, items and places therein are trademarks of The Saul Zaentz Company d/b/a Middle-earth Enterprises under license to New Line Productions, Inc.

9.5
Episch

Pros

  • Faszinierendes Sequel mit viel Action
  • Tolle schauspielerische Leistungen
  • SMAUG!!
  • Gute Charakterentwicklungen
  • absoluter Fan-Service

Kontras

  • Gelegentlich zu hektische Sequenzen in 24fps 3D
  • Für Nicht-Fans vielleicht etwas langatmig

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
10