Review: Bravely Default

Seitdem der erste Trailer zu Bravely Default für Nintendo 3DS im vergangenen Jahr gezeigt wurde, war ich richtig heiß auf diesen RPG-Exklusivtitel für Nintendos Handheld: Old School Gameplay, eine Square Enix typisch gute Inszenierung und das ganze auch noch in der Hosentasche. Hell yeah! In den vergangenen Tagen hatte ich nun reichlich Zeit die europäische Fassung ausgiebig anzuspielen und obwohl ich vermutlich noch ein ganzes Stück vom Abspann entfernt bin, fühle ich mich bereit ein Urteil zu fällen.

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Old School as f*ck!

Wenn mich Leute nach meinem Lieblings-Videospielgenre fragen ist meine Antwort eigentlich immer das gute, alte Japanese Role Play Game. Klassiker wie Final Fantasy oder Golden Sun erlauben es mir dank dem rundenbasierten Kampfsystem nicht nur beim Zocken bequem zu essen, sondern sind im Regelfall auch richtig fordernd und erfordern einen guten Sinn für strategisches Vorgehen.

Doch gerade in den letzten Jahren – und speziell mit Final Fantasy XIII – hat mich das Genre mehrfach zutiefst enttäuscht. Gerade bei Square Enix scheint man sich mit Final Fantasy ganz schön verfahren zu haben, denn mit den Spielen die ich früher einmal so geliebt habe, hat das Abenteuer von Lightning nur noch wenig zu tun. Was nutzt die schönste Inszenierung, wenn das Gameplay so viel Spaß wie eine Darmspiegelung macht? Doch mit Bravely Default kommt aus dem Hause Square Enix endlich wieder ein Rollenspiel, dass mich fasziniert und an den Handheld fesselt.

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Im Spiel übernehmt ihr die Kontrolle über den jungen Tiz, dessen Heimatdorf wie aus dem Nichts vom Erdboden verschlungen wird. Kurz nach der Tragödie, die sein Leben auf den Kopf stellt, trifft er auf ein mysteriöses Mädchen namens Agnés, welche sich als Vestal des Windes entpuppt. Sie ist eine von vier Priesterinnen, die über die vier Element-Kristalle der Welt wachen. Deren Kräfte sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde, doch scheint es, als würden eben diese Kräfte schwinden. Zusammen mit der Rebellin Edea und dem Weiberheld Ringabel, finden Agnés und Tiz heraus, dass die Welt von dunklen Mächten verschlungen wird. Die Gruppe zieht ins Ungewisse um die vier Kristalle von der Finsternis zu befreien und das Gleichgewicht in der Welt wiederherzustellen.

Auch wenn die Story die Epicness-Skala bestimmt nicht bis zum Anschlag ausreitzt, so ist sie durchaus interessant erzählt und bietet dem Spieler reichlich Tiefgang. Die vielen Dialoge des Spiels werden bis auf kleinere Ausnahmen allesamt mit einer englischen (oder japanischen) Sprachausgabe aufgewertet, welche zu den besten Sprachausgaben gehört, die ich bisher erleben durfte. Eine toller Sprecherwahl und eine sehr gute Betonung bei der englischen Tonspur sorgten bei mir für Begeisterung. So muss das sein! Wie es sich für ein J-RPG gehört, wird euch auch Bravely Default mindestens 40 Spielstunden an den Handheld fesseln. Da ich jedoch noch ein gutes Stück vom Abspann entfernt bin, basiert diese Zahl eher auf einer Schätzung anstatt auf Erfahrung.

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Komplexes, spaßiges Gameplay

Das rundenbasierte Kampfsystem hat Square Enix über viele Jahre perfektioniert, bevor sie es mit den neuen Final Fantasy Spielen komplett über den Haufen geworfen haben. Bravely Default bündelt diese langjährige Erfahrung auf des Publishers und vereint dessen beste Eigenschaften mit neuen Spielideen. Veteranen dürfen sich freuen, denn neben einem guten Dutzend Klassen, bietet das Spiel außerdem kombinierbare Charakterfähigkeiten, eine große Auswahl an Items, sowie anpassbare Special Moves für jeden Charakter.

Ebenfalls sehr interessant sind die “Brave” und “Default” Kampfoptionen, welche mehr Dynamik in den Rundenkampf bringen und gleichzeitig namengebend für das Spiel sind. Wählt der Spieler “Default” für einen seiner Charaktere, so geht dieser in eine Art Verteidigungsmodus über und speichert sich so die “Runde” für später. “Brave” ist das Gegenstück dazu und ermöglicht es dem Charakter mehrere Aktionen direkt hintereinander durchzuführen.

Als wäre dem nicht genug, gesellen sich innovative Online und StreetPass Features zu dem klassischen Gameplay, sodass dieses schnell eine hohe Komplexität erreicht. Das Spiel versucht das über eine schonende Einführung in die Materie zu kompensieren, jedoch kann ich mir vorstellen, dass sich manche RPG Neulinge anfangs etwas überfordert fühlen. Gerade die erhältliche Demo im dem eShop empfinde ich als kleine Enttäuschung, da sie den Spieler ins kalte Wasser wirft, was bei einem Rollenspiel mit diesem Umfang ziemlich fatal ist.

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Das soll jedoch nicht heißen, dass man ein harter Core-Gamer sein muss um Bravely Default zu meistern – im Gegenteil. Ein einstellbarer Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass auch Einsteiger ohne Permadeath durch’s Spiel kommen, sofern sie sich auf etwas Eingewöhnungszeit einlassen. Wenn mich etwas am Gameplay gestört hat, dann war es das Design der Dungeons. Diese sind meistens extrem simple Schlauchlevel, welche nur selten kleine Schalterrätsel mit sich bringen. Geniales Leveldesign ist nicht unbedingt die Stärke dieses Sorte Rollenspiel, doch wäre etwas mehr Abwechslung an dieser Stelle definitiv willkommen gewesen.

Ein weiterer Punkt der mich etwas gestört hat ist die Integration von Mikrotransationen für die Nutzung der Bravely Second. Diese Funktion kann im Kampf jederzeit aktiviert werden, um eine sofortige Aktion mit einem Charakter durchzuführen. Jede dieser Aktionen benötigt Punkte, die man automatisch erhält, wenn Bravely Second im Standby auf eurem 3DS läuft. Wer nicht warten mag, kann sich diese Punkte alternativ gegen eine kleine Summe kaufen. Ich war froh das diese Einnahmemethode bisher auf Nintendo Plattformen noch keinen Einzug gefunden hatte. Musste das sein, Square Enix?

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Interessante StreetPass / Online Features

Wie bereits erwähnt, ergänzt Bravely Default das klassische J-RPG Gameplay mit den einzigartigen Fähigkeiten des Nintendo 3DS. So kommt auch bei diesem Spiel die StreetPass Funktion zum Einsatz, welche getroffene Freunde als unterstützende Kraft in das Kampfsystem integriert. Spieler lassen sich auch per Internet empfangen und anschließend im Kampf für einmalige Spezialangriffe einsetzen. Besonders interessant ist auch die Abilink Funktion, welche einen euerer vier Charaktere mit den Miis eurer Freunde verlinkt, welches sich positiv auf die Werte eurer Helden auswirkt.

Doch StreetPass Besuch ist auch beim Wiederaufbau eures zerstörten Heimatdorfes “Norende” von Vorteil. Während des Abenteuers kann der Spieler jederzeit per Menü einen Blick auf “New Nordende” werfen. Jeder StreetPass Besucher wird als neuer Einwohner im Dorf vermerkt und kann fortan für Arbeiten eingespannt werden, die euch neue Items und andere Boni freischalten. Coole Sache!

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Schicke Optik und toller Soundtrack

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte zur Präsentation des Spiels verlieren. Die Grafik in Kämpfen erinnerte mich direkt an eine aufpolierte Version von Final Fantasy III für den Nintendo DS. Nicht übermäßig detailliert, dafür aber stets flüssig. Auch die Oberwelt ähnelt besagtem Spiel, während Städte und wichtige Umgebungen sehr schön gestaltet sind. Gerade die Städte sehen mit ihrem künstlerischen Artstyle ein wahrer Augenschmaus.

Die schicke Optik wird untermalt von einem tollen Soundtrack, welcher die Atmosphäre des Spiels stets sehr gut einfängt und einfach toll klingt. Sammler dürften sich freuen, dass die Bravely Default Deluxe Edition u.a. auch mit dem Soundtrack des Spiels auf CD daher kommt. Weiterhin erwähnenswert ist der 3D-Effekt des Spiels. Dieser schaut besonders in den Städten richtig gut aus und gibt den Arealen einen tollen Tiefeneffekt.

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Fazit

Bravely Default ist ein tolles Old School J-RPG für den Nintendo 3DS, dass sich als eines der besten Square Enix RPGs seit Jahren entpuppte. Fast ausnahmslos alle Aspekte des Spiels befinden sich auf einem sehr hohen Niveau und gerade die tolle Sprachausgabe in Kombination mit dem Soundtrack wissen zu begeistern. Anfänger werden zu Beginn etwas mit dem komplexen Gameplay zu kämpfen haben, doch lohnt es sich nicht nur für J-RPG Fans einen Blick auf den Titel zu werfen. Wer jedoch wie ich genauso enttäuscht von den letzten Final Fantasy Spielen ist, bekommt mit Bravely Default das nahezu perfekte Spiel geliefert um diesen Hunger zu stillen.

9
Exzellent

Pros

  • Old School J-RPG Feeling
  • Großer Umfang & interessante Story
  • Tolle Sprachausgabe & Soundtrack
  • Erfrischendes Gameplay

Kontras

  • Monotones Dungeon Design
  • Benötigt Eingewöhnungszeit
  • Unnötige Miktotransaktionen

Unser Fazit


Präsentation
9
Gameplay
8
Story & Umfang
10